postheadericon Memo!

Liebe Hurenkinder,
wie ihr wisst, bietet dieser Blog eine Plattform für jeden, der seine Texte veröffentlichen möchte.
Habe bis jetzt nur positives Feedback bekommen, allerdings gibt es noch einiges zu verbessern. Ein Problem ist sicherlich, dass es auf Blogspot nicht möglich ist, Kommentare ohne Account zu posten. Ich werde mich noch erkundigen, wie man diese Einschränkung umgehen könnte.
Doch seid gewiss - die Texte werden, laut Rückmeldungen einiger Freunde, gelesen!
Nur zur Erinnerung: falls ihr eure Texte auf Hurenkind&Schusterjunge sehen wollt, einfach den/die Text/e an mich schicken: pia.colada12@gmail.com
Zu guter Letzt: Lest Hurenkind&Schusterjunge und mal wieder öfter die Zeitung.
Peace,
Pia

postheadericon Bridge


On the bridge I could see things brighter
A longing to lay down beside her
By the moon I saw clearly
Things which made me so weary

But what god would keep me from falling?
And what halo could answer my calling?

In the narrow night I could feel the desire
But no light, no warmth, nor fire
By the moonlight I wanted to drown
Dull pain kept pulling me down

But what mother would wake me from dreaming?
And no ghost to explain the meaning

I found it was you
I wake and I saw
It's still real
I froze to the bone
When seeing I'm still all alone

And the sea is bluer when we're alone


(c) Pia

postheadericon alles hat zwei seiten, nur die wurst hat zwei


entgegen aller hoffnungen hörte ralphy einfach nicht auf. es freute ihn halt. denn, wenn man einmal in so einem rausch drinn ist, dann will man den so schnell nicht mehr loswerden. was für ralphy der größte spaß – oder die „größte hetz“, wie er es immer nannte – war, war für ottokar nicht halb so lustig. du wirst jetzt vielleicht fragen: „ottokar, komischer name, und überhaupt: ist doch ein schöner, gemütlicher wintertag, warum hat dieser ottokar keinen spaß, wo doch der ralphy die größte hetz hat?“. nun ja, hätte ich sowieso gleich erzählt. also der ottokar. du kennst bestimmt diese würste aus dem geschäft. die würste in der durchsichtigen haut, wo man also praktisch vor dem kaufen schon bescheid weiß. die würste mit den fleischklümpchen in gelee in der durchsichtigen haut. was das jetzt wieder mit dem ottokar zu tun hat? ganz einfach. der ottokar war genau so ein schmieriges würstchen. das heißt, irgendwie nicht, weil beine und so… also beine und würstchen, das passt beim besten willen nicht zusammen. also der „würschtlotto“ war natürlich ein mann mensch. aber, und das ist der springende punkt, der ottokar sah aus wie so ein würstchen. sprich fettige haare, glänzende stirne, dicke wonneproppen-bäckchen und als draufgabe akne – also fleischklümpchen überall auf dem körper. direkt wie aus der werbung. natürlich noch ein kleines bäuchlein – keine frage. den ottokar kannst du dir ja jetzt bestimmt gut vorstellen. und beruflich? beruflich: vertreter für sicherheits-badesandalen – hart aber gerecht. und der ralphy? der sah aus wie immer, du kennst ihn ja. hat sich seit der lehre nicht mehr großartig verändert. also die beiden jetzt so in einer großen angerümpelten halle. die hat früher dem laurtentius gehört, sprich opa vom ralpy. aber wie du dir denken kannst – zu wenig gemüse und zack, zommegifegglt. schade eigentlich. schade um den laurentius, wo er doch so ein guter schmied war. menschlich natürlich eine frechheit – frage nicht. aber der eisen harry hat immer gesagt: „sou a schmied, des gibt’s ka zweits moi af dera wöt“. aber zurück zum ralphy. also der ralphy jetzt vom opa das erbstück in der hand. sprich schmiedehammer – perfekt ausbalanciert, und eine wucht! der ottokar, eh schon halb faschiertes, kotzt noch ein paar wörter aus. hat geklungen wie lebensversicherungsklausel oder so. – aber der ralphy – ganz der alte – will davon nichts wissen, holt noch einmal kräftig aus, und vorbei.

mit freundlicher genehmigung von gas station rainbow records.

postheadericon Asmelons Monde, Kapitel 2: Schicksalhafte Begegnungen


Zwei Tage lang waren Nuria und Eldir nun schon unterwegs. Am Abend des
ersten Tages hatten sie den Rand des Schattenwaldes erreicht. Sie folgten nun der
einzigen Straße, die sich durch den geheimnisvollen Wald der Waldelfen
schlängelte.
Sie sprachen wenig miteinander und wenn, nur das Nötigste. Nachts wechselten
sie sich mit der Wache ab und je tiefer sie in den Schattenwald gelangten, desto
schlechter schliefen sie. Nuria bemerkte, dass Eldir nachts nicht schlief, sondern
seinen Blick starr ins Feuer gerichtet hatte. Nuria vermied es ihn anzusehen; sie
versuchte nicht einmal ihn auf sein merkwürdiges Verhalten anzusprechen. Je
wohler Nuria sich in den letzten Monaten in seiner Nähe gefühlt hatte, desto
unbehaglicher wurde ihr, wenn sie nun abends an seiner Seite saß.
Am fünften Tage ihrer Abreise von Falanstyr machten sie an einer Waldlichtung
Rast. Allmählich wurden ihre Vorräte knapp und sie mussten spärlich mit dem
Essen umgehen. Zudem wagten sie es nicht, im Reich der Waldelfen zu jagen.
„Hörst du es auch?“, fragte eine Stimme hinter Nurias Rücken und sie zuckte
unwillkürlich zusammen. Es waren ihre Stunden der Nachtwache und sie starrte
gedankenverloren in die Dunkelheit, bis die raue Stimme sie aus den Gedanken
riss. Doch die Stimme war ihr vertraut. Eldir schlief nicht, wie schon die Nächte
zuvor.
„Was soll ich hören?“, fragte Nuria leise. „Ich höre nichts. Nicht einmal das
Rauschen der Blätter im Wind, wie in unserer Heimat, in den Wäldern nahe des
Tränensees.“
Eldir nickte. Etwas Beunruhigendes lag in seinem Blick. „Genau, findest du das
nicht seltsam?“
Nuria senkte den Blick. Sie wusste, dass etwas in diesem Wald nicht stimmte.
Schon seit Jahrtausenden mieden die Menschen den geheimnisumwitterten Wald.
Nun hörte sie es auch, das laute Nichts.
„Dieser Wald gefällt mir ganz und gar nicht“, flüsterte Eldir. „Je schneller wir ihn
hinter uns lassen, desto besser.“
Die Bäume standen still da und kein Laut war zu hören. Eldir hatte sich wieder in
seine Deckte gerollt und begann regelmäßig zu atmen. Nuria wäre wohler
gewesen, wenn er mit ihr zusammen Wache gehalten hätte. Allmählich verlor sie
das Zeitgefühl und sie wusste nicht, wie lange sie dasaß und verzweifelt
versuchte, den kleinsten Laut zu vernehmen.
Und plötzlich hörte sie ein Rascheln im Unterholz.
„Beweg dich nicht“, flüsterte Eldir. Er war wieder wach. Oder hatte er gar nicht
geschlafen? „Hier ist jemand.“
Nurias schweißnasse Hände griffen nach ihrem Schwert. Wieder herrschte
absolute Stille. Sie sah Eldir an. Er saß so ruhig da, dass man ihn in der
Dunkelheit leicht hätte übersehen können.
„Wen haben wir denn hier?“, fragte eine wohlklingende Frauenstimme hinter
ihnen. Nuria fuhr vor Schreck zusammen und drehte sich um.
Eine Elfe stand mit gezogenem Schwert vor ihrem Lager. Ihre helle Haut konnte
man sogar in der Dunkelheit des Schattenwaldes erkennen und ihre stechend
blauen Augen leuchteten wie zwei Saphire.
Plötzlich spürte Nuria etwas Kaltes an ihrem Hals. Sie wagte nicht zu atmen.
Jemand stand hinter ihr und drückte eine Messerklinge an ihre Kehle. Sie fühlte
eine raue Hand an ihrem Gesicht. Heißer Atem kitzelte an ihrem Ohr. Die Elfe
stand noch immer vor ihr, doch ihr Blick wanderte zu der Gestalt, die Nuria mit
der Klinge bedrohte.
„Das ist kein Dunkelelf, Arwila“, sagte die Gestalt. Die Stimme war männlich und
tief. Nuria wagte es noch immer nicht, sich umzudrehen.
„Wer seid Ihr?“, fragte die Elfe Nuria scharf. Anscheinend hatte sie Eldir nicht
bemerkt, wie er so still nur wenige Fuß weiter am Boden kauerte.
„Wir sind Reisende aus Endorion. Dass wir keine Dunkelelfen sind, wirst du mir
hoffentlich glauben, Arwila.“ Diesmal war es Eldir, der gesprochen hatte. Kannte
Eldir etwa die Elfe?
Die Elfe namens Arwila und der Mann hinter ihr zuckten zusammen. Eldir erhob
sich. Arwila ging näher an Eldir heran und war sichtlich erstaunt.
„Eldir Skildorson? Sohn des Fürsten von Nareath?“, fragte die Elfe ungläubig.
Eldir nickte, was man jedoch nur schwer in der Dunkelheit erkennen konnte.
Nuria spürte, wie der Mann die Klinge absetzte und sie losließ. Sie atmete tief
durch und rieb sich den schmerzenden Hals.
„Es ist wahrlich eine Freude, dir in so schlimmen Zeiten noch einmal zu
begegnen, Eldir“, sagte Arwila sanft und verbeugte sich. Ein langer Zopf fiel ihr
über die Schulter.
„Seid gegrüßt, Sohn Endorions!“, meldete sich nun der Mann hinter Nuria zu
Wort. Wie Arwila trug er einen Elfenmantel, doch an seinen Bewegungen konnte
man eindeutig erkennen, dass er ein Mensch war. „Ich bin Hagaar Heironson. Ich
komme aus Lunidor. Arwila hat schon viel von Euch erzählt.“
Auch Eldir verbeugte sich zur Begrüßung.
Nuria kauerte noch immer unbeachtet auf dem feuchten Waldboden. Eldir kannte
diese Leute, also waren sie nicht in Gefahr. Schließlich nahm Eldir Nurias Hand
und half ihr auf.
„Das ist Nuria, meine Begleiterin“, stellte er sie vor. Hagaar, der Fremde aus
Lunidor begrüßte sie und entschuldigte sich dafür, sie so grob behandelt zu haben,
doch die Waldelfe schien es eilig zu haben.
„Genug der Vorstellungen, Eldir. Kommt mit uns in unser Quartier. In diesem
Wald ist man niemals sicher, man sollte auf der Hut sein“, sagte die Elfe und
schenkte ihm ein Lächeln, das so hell war, dass man es selbst in der Schwärze des
Waldes erkennen konnte.
Nuria fühlte sich in Gegenwart der Elfe namens Arwila unwohl. Ein ungutes
Gefühl überkam sie, als sie in die wolfsgleichen Augen der Elfe schaute.
Eldir und Nuria banden ihr Gepäck auf die Pferde, nahmen sie an den Zügeln und
folgten Arwila und Hagaar, die einen finsteren Weg abseits der Straße
einschlugen. Die Dunkelheit machte ihnen zu schaffen und sie kamen nur langsam
voran. Nur Arwila ging trittsicher voran. Plötzlich konnte man in der Ferne einen
Lichtschimmer erkennen. Sie waren bereits über eine Stunde durch das Dickicht
geschlichen. Niemand hatte ein Wort gesagt.
Das Licht wurde heller und es dauerte nicht lange, da standen sie vor einer Hütte
aus Holz. Zwei Fackeln brannten vor dem Eingang. Nuria war sich sicher, dass
diese Hütte nicht von Waldelfen stammte. Sie bevorzugten keine kleinen Hütten,
sondern lebten meist in den Kronen alter Bäume.
Nuria und Eldir banden ihre Reittiere neben drei weitere Pferde, die ruhig vor der
Hütte an einem Unterstand dösten. Hagaar nahm die beiden Fackeln und trat ins
Innere. In der Hütte brannte das Licht einer Öllampe.
„Da seid ihr ja wieder“, drang eine Stimme in die Ohren der vier.
„Ja, Lodus. Und wir haben jemanden mitgebracht“, antwortete Arwila. Ein alter
Mann saß an einem grob gefertigten Holztisch. Er hatte langes silbergraues Haar
und einen ebenso langen Bart. Neben ihm auf dem Tisch lag ein großer spitzer
Hut. Der Hut eines Magiers.

postheadericon Du schneane Winterszeit!


Wenn da Schnee ganz stüll vom Himmel follt,
a Lüftl waht, ‘s is grimmig kolt.
Do treibt da Wind mit Lust sein Flockn-Gspül;
troggn weg, wo er ghört und hin, wo scho zu vüll.

Wann du siachst die Schneekristol so sülbern glitzern
Durch die Sunn – wie Edelstoana blitzen.
Do holt a wengerl auf! Nimm woahr die Procht!
Da Herrgout hots für di – jo für uns olle gmocht.

Wann Földa, Wiesen liegn unter woachi Deckn
Und erst die Fruahjoahrssunn olls wird aufwecken.
Wann Eiszopfn glänzn wiea Bleikristoll,
do fühlt sie koana in da Stubm drin wohl.

Dann geh aussi und waonder durchn vatrambtn Wold!
Und schaust genau, siachst maonche Märchengestolt.
Dein Herz geht üba, du vergisst den Lärm der Wölt
und nimmst woahr, wos im Lebm wirklich zöhlt.

(c) Agnes Spitzer

postheadericon Fruahjoahrsfreid


Dos ersti Bleamerl, wann i denk,
is für mi a großes Geschenk.
Dos Schneeglöckerl is dos ersti wull,
dos vom Fruahjoahr kündn sull.

Und is da Boudn a nou tiaf gfrert,
do kemman d’Primln aus da Erd,
lossn sie vom Froust nit schreckn,
wanns a intan Schnee miaßn steckn.

Dos Veilchen oba, költnschei,
woart lieba bis do is da Mai.
Es zoag erst daonn sein scheanstes Gwaond,
wann d’aondern Bleamerln san banaond.

Ma mog den Lenz fost nit dawoart’n,
im März scho wüll ma aus in Goartn.
In Graz und Weiz die Bam scho blüahn,
bei uns is’s spot, do tuats nou gfriarn.

Oba bold is’s do die scheani Zeit,
wenns grean wird und da Kuckuck schreit.
Dos Herz wird weit und olles sing,
wals Fruahjoahr durch mei Heimat kling.

(c) Agnes Spitzer



postheadericon Asmelons Monde, Kapitel 1: Schatten der Vergangenheit



Der Grund, warum Nuria und Eldir die Grenze zu Asmelon passiert hatten, war
tatsächlich nicht um Waren der Elfen zu kaufen. Vor einiger Zeit hatte Nuria durch
einen Zufall von ihrem alten Lehrer und Ziehvater Orik, bei dem sie seit siebzehn
Jahren lebte, erfahren, dass sie die Tochter Reondils war. Die Tochter des letzten
Elfenkönigs von Asmelon. Ihre Mutter, wie man ihr erzählt hatte, sei eine einfache
Frau aus Nareath gewesen.
Asmelon war die Heimat vieler Elfenvölker. Am zahlreichsten vertreten waren die
Waldelfen, die verstreut in den Wäldern Asmelons lebten. Weiters gab es die
Meerelfen, die die Küste im Süden bewohnten und die man leicht an ihren
Seetang farbenen Haaren erkennen konnte. Aus den Sümpfen an der Grenze zu
Theríalor kamen die Dunkel- oder Sumpfelfen, die sich vom Aussehen stark von
den anderen Elfenvölkern unterschieden. Sie waren kleiner und hatten schräg
stehende Augen, die ihre gräulichen Gesichter oft gefährlich aussehen ließen.
Unter den Völkern des Nordkontinents erzählte man sich, dass Ador, der
Göttervater, sie aus dem Torf der Sümpfe von Calynver erschaffen hatte. Die
meisten Dunkelelfen hatten sich vor Jahrhunderten an der Ostküste Asmelons
angesiedelt und die Stadt Agantur gegründet.
Reondil der Weise gehörte dem Volk der Mondelfen an und diese waren vor allem
für ihre Studien und Beobachtungen der Gestirne bekannt. Kein anderes Volk
kannte die Sterne und Himmelskörper besser als die Mondelfen.
Reondil hatte bereits dreißig Jahre lang sein Amt als König von Asmelon inne, als
er Opfer des größten Verrats in der Geschichte der Elfen wurde. Eines Nachts
wurden die Fünf Türme, die riesige Festung in Asgarith am Nebelmeer, von
Dunkelelfen gestürmt und Reondil und sein Weib wurden bestialisch ermordet.
Die Elfen aus den Sümpfen waren seit jeher gegen die Herrschaft der Mondelfen
und oft hatten sie Drohungen geäußert, einmal gewaltsam den Thron Asmelons an
sich zu reißen. Niemand hätte je geglaubt, dass die Sumpfelfen diese Drohung in
die Tat umsetzen würden.
Die Dunkelelfen glaubten, mit dem Massaker in den Fünf Türmen der Herrschaft
Reondils Familie ein Ende bereitet zu haben, obwohl sie die einjährige Tochter
des Elfenkönigs nie gefunden hatten…
Und niemals hätte man in Erwägung gezogen, dass ein alter Mann aus dem Volk
der Menschen das Kind aus der Festung gerettet hatte und mit ihm in den Norden
Endorions geflohen war. Sein Name war Orik und er gab dem Mädchen den
Namen Nuria, was „Mondkind“ in der Alten Sprache bedeutete.
Asmelon bekam einen neuen Herrscher, und niemanden überraschte es, dass es
gerade eine Dunkelelfe war, die den Thron der Elfen nun ihr Eigen nannte. Wer
sich gegen die selbst ernannte Königin namens Rachmorda stellte, wurde
hingerichtet, genauso wie die Elfen, die als engste Freunde Reondils galten. Seit
diesem Tag an herrschte Schrecken und Unterdrückung in der Hauptstadt der
Elfen.
Wenig später brach das Chaos im gesamten Reich Asmelon aus. Da die Menschen
des Westens sich weigerten Rachmorda als rechtmäßige Herrscherin des
Nachbarreiches anzuerkennen und mit ihr Bündnisse einzugehen, blockierte sie
die Handelsstraßen von Lunidor durch Asmelon zum Nebelmeer, damit die
Menschen mit den Kobolden der Insel Itigis keinen Handel mehr betreiben
konnten. Selbst die Grenzposten zu den anderen Reichen wurden strenger
bewacht. Die Fürstentümer in Asmelon wurden unter einigen wenigen
Dunkelelfen aufgeteilt, frühere Fürsten wurden versklavt oder beseitigt. Selbst die
Stadt Hadrun wurde von Sumpfelfen besetzt, seit aufständische Westmenschen in
Asmelon eingedrungen waren. Dunkelelfen hatten sie schließlich gefasst, sie auf
Rachmordas Geheiß geköpft und ihre Köpfe an Hadruns Stadtmauer gepfählt.
Seitdem herrschte Krieg zwischen beiden Reichen und Rachmordas
Schreckensherrschaft schien kein Ende zu nehmen…
Doch eines Tages fand Rachmorda die Spur zu der rechtmäßigen Erbin des Throns
der Elfen, und diese Spur führte ihre Krieger nach Nareath, eine Stadt am Fuße
des Calneons. Sie zwang den Fürsten Nareaths die Halbelfe, die mittlerweile
siebzehn Lenze zählte, ihren Kriegern auszuhändigen oder er müsste mit einem
Angriff auf seine Stadt rechnen. Als Fürst Skildor sich weigerte, kam es zu einer
Auseinandersetzung zwischen Skildors und Rachmordas Kriegern, wobei Nuria
mit Eldirs Hilfe fliehen konnte. Der jüngste Sohn Skildors jedoch, der durch den
Kampf schwer verletzte Baldir, wurde von den Elfen gefangen genommen und
nach Asgharit, in die Hauptstadt des Elfenreiches, verschleppt.
Lange wurden die Handlanger Rachmordas mit Baldir als Geisel verfolgt, doch
die Elfenpferde schienen von etwas Magischem angetrieben und schließlich war
man gezwungen aufzugeben. Skildor Hogarsson war sich sicher, dass Rachmorda
ihre Finger im Spiel gehabt hatte.
Er zog in Betracht selbst mit einem Heer in Asgharit einzumarschieren, doch er
besann sich zur Vernunft, da Nareath gegen die Streitmacht der Elfen nur wenig
auszurichten vermochte. In seiner Not befahl er seinem ältesten Sohn Eldir nach
Asgharit zu reisen um seinen jüngeren Bruder aus den Fängen der grausamen
Magierin zu befreien. Eldir gehorchte, jedoch nur seinem Vater zuliebe. Tief im
Inneren wusste Eldir, dass Skildor seinen älteren Sohn mehr liebte, als ihn selbst
und er Eldir jederzeit und ohne zu zögern für Baldirs Leben eintauschen würde.
Mit Eldir Skildorsson ging Nuria, die sich Schuld an der Entführung des
Fürstensohns fühlte. Es fiel Orik schwer seine Ziehtochter gehen zu lassen, doch
die Halbelfe ließ sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Mittlerweile wusste
sie, dass Rachmorda nichts mehr fürchtete, als die rechtmäßige Erbin des Thrones
der Elfen an den Toren von Asgharit.

(c) Pia Colada

postheadericon Asmelons Monde - Begriffserklärungen & Dramatis Personae


Liebe Leute,
es folgt eine Liste zu den Begriffen und Personen aus Asmelons Monde (Buchkapitel zu finden unter der Rubrik "Roman"). Sie ist auch als pdf-File erhältlich, bei Interesse einfach eine Mail schreiben.
Über Kommentare zu den einzelnen Texten würden ich und die anderen Verfasser uns sehr freuen!
Peace,
Pia

Ador: Nordländischer Göttervater
Agantur: zweitgrößte Stadt Asmelons, Stadt der Schwarzelfen
Arkan: Fischerstadt am Eismeer
Asgharit: Hauptstadt von Asmelon am Nebelmeer
Asmelon: eines der fünf großen Reiche, es herrschen die Elfen
Aválla: Größte Stadt am Binnenmeer
Burg Falkenhain: Burg im Süden Endorions; im Besitz Chalons
Calneon: Nördliches Großgebirge, Grenze zwischen Endorion und Ghalgot
Calynver: Sumpflandschaft im Westen Asmelons
Curion: Halbinsel im Süden Lunidors
Delhot: Altes Schlachtfeld vor den Toren Loruns
Drachenzahn: eine Taverne in Karuna, Endorion
Dunkle Triade: Bund schwarzer Magier
Endor: Hauptstadt Endorions
Endorion: eines der fünf großen Reiche, es herrschen die Menschen des Nordens
Êrnat: Höchster der Fünf Türme von Asgharit
Fúlgir: einer der Fünf Türme von Asgharit
Ghalgot: eines der fünf großen Reiche, teilweise beherrscht von Zwergen
Githlond: Nordländische Göttermutter
Golgonath: Größte Ansiedlung Ghalgots, Stadt der Zwerge
Goro-Syril: Hauptstadt Theríalors, Stadt der Magier
Hadrun: Stadt in Lunidor an der Grenze zu Asmelon
Hemroth: Nordländischer Gott des Abgrundes
Itigis: Insel im Nebelmeer, bewohnt von seefahrenden Völkern
Lavére: Burg der Priesterinnen Harallas im Tal der Wasserfälle
Lorun: Hauptstadt Lunidors
Lunidor: eines der fünf großen Reiche, es herrschen die Menschen des Westens
Maellon: Größte Hafenstadt im Süden Asmelons
Midil: Burg des Statthalters von Nareath
Nareath: nördlichste Stadt Endorions
Oriel: einer der Fünf Türme von Asgharit
Quell der Weisheit: Heiligster Wasserfall der Magierinnen
Rith Prahir: Kloster der Magierinnen im Tal der Wasserfälle
Schagrim: Dämon der Unterwelt, Diener der Dunklen Triade
Tal der Wasserfälle: Verborgenes Tal mitten im Calneon
Theríalor: eines der fünf großen Reiche, beherrscht von Magiern
Thugól: einer der Fünf Türme von Asgharit
Tränensee: Großer Bergsee bei Nareath
Valor: Asmelonische Stadt nahe der Grenze zu Lunidor
Verôt: einer der Fünf Türme von Asgharit


Alfan: persönlicher Diener Erions
Argot: Statthalter Hadruns
Arwila: Waldelfe, alte Bekannte Eldirs
Avylis: Schwester Evitris’, vom Feenvolk
Baldir: Sohn Skildors, Bruder Eldirs
Berith: Frau Dormians
Chalon: Krieger Endorions, Sohn Arius’ und Larnas
Consunion: Herzog von Vern
Dormian: Sohn Arius’ und Larnas
Eldir: Sohn Skildors, Thronfolger Nareaths, Bruder Baldirs
Erion: König Lunidors
Evitris: Schwester Avylis’, vom Feenvolk
Fandrir: ein Bronzedrache
Gabor: ältester Sohn Nestagôrs, Thronfolger Endorions
Ghawin: Verwalter Burg Falkenhains
Guinar: eine Priesterin Harallas
Hagaar: Krieger aus Lunidor
Larna: Mutter Chalons, Frau Arius’
Livén: Mutter Eldirs, Gemahlin Skildors
Lodus: Magier aus Goro-Syril
Lujana: Älteste der Feen
Martja: Tochter Arius’ und Larnas
Méril: ein Mondelf aus Asgharit
Mether: Mutter Mizeréls, Großmutter Valonoras (tot)
Mizerél: Königin Lunidors, Gemahlin Erions
Morgana: Hohepriesterin Rith Prahirs
Nestagôr: König Endorions
Nuria: ein Mädchen aus Nareath, Halbelfe
Orik Lehrer Nurias
Rachmorda: Herrscherin der Elfen, Herrscherin über Asgharit
Reondil: letzter König der Mondelfen
Savona: Tochter Consunions
Seldon: Herzog von Curion
Skildor: Statthalter Nareaths
Tekkon: Statthalter von Arkan, König der Eiskrieger
Thalan: Sohn Tekkons, Eiskrieger
Tjana: eine Priesterin Harallas
Tygil: ein alter Freund Mérils, ein Mondelf
Valonora: Tochter Erions, Geliebte Eldirs
Xai: Sohn Arius’ und Larnas


postheadericon An den weißen Horizont


Sogar die Kerzen beugen ihre Körper in dem blendenden Licht des neuen Tages. Obwohl
schon zur Hälfte vergangen, ein neuer Tag, der mich obszön verspottet, und die Kerzen
verstümmelt wie kranke, gebeugte Körper.
Gestern noch im Wunderland, mit Höhen und Tiefen, eine Achterbahnfahrt, und das Ziel war
in einer ästhetisch vollkommenen Weise unbekannt- heute in einer eiskalten Realität. Die
Nacht dazwischen erweist sich nun als Brücke, die nur in eine Richtung führt. Ich bin der
Meinung, eine Brücke sollte eine Verbindung sein, die es ermöglicht, die Seiten zu wechseln.
Nicht diese Brücke. Die Musik aus diesen Lautsprechern hat in den letzten Tagen stets den
Takt des Auf- und Abs der Karussellfahrt bestimmt, heute macht mich das schnelle Schlagen
der Drums langsam und verfehlt seine aufputschende Wirkung, wegen der ich es im Normfall
sehr schätze… Another day, The next page, Still in daze, Still in a dream, Out of the pipe, My
lust for life, Comes and goes, From above, Demanding purity, Sobriety
Der Chor drückt die Trance der letzten Tage besser aus, als ich es gekonnt hätte. Wie kommt
es, dass für jedes einzelne Gefühl, für jede Gemütslage, irgendwo eine Textzeile existiert, die
dir so klar und unverklärt sagen kann, wie du dich fühlst? Selbst dann, wenn du es selbst am
Wenigsten in Worte fassen kannst? Oder ist das nur eine dankbare Annahme leerer Zeilen
deines müden Geistes? You can laugh a lot, and bring on that smile… you make my heart,
you make my tired heart sing
Immer konnte ich mit ihm lachen, ihn in die Arme nehmen. Er hatte diese Gabe, die mich
wahnsinnig macht- er konnte mich immer zum Lachen bringen, selbst wenn ich nichts
weniger wollte als lachen, traurig, aggressiv sein wollte. Wie um alles in der Welt konnte ich
das zerstören? Warum habe ich zugelassen, dieses Gesicht in einem derart schrecklichen,
traurigem Ausdruck von mir ziehen zu lassen? Ich will es wieder, Unsinn reden, lachen,
meine unglaublich kindische Seite diesem Menschen zeigen, dem Einzigen der sie wirklich
kennt und hervorbringen kann… Ein Hauch, der nicht vorhanden ist, zerstört die Erinnerung.
Wie grausam ist eine Natur, die eine chemische Liäson hervorbringt, die mich in eine
hormonelle Wallung bringt, unfähig vernünftig zu denken, geschweige denn zu handeln. Vor
diesen vielen Stunden Achterbahn war ich mir so sicher, sicher dass er ewig bei mir ist. Ich
bekam Panik, wenn ich seinen Herzschlag hörte- war das doch das sichere Zeichen dafür, dass
er sterblich ist, wie jeder andere auch.
Ich starre die schwarzen Wachskörper an, kann nicht umhin mir mein Herz im Moment als
eine Kerze im Sonnenlicht vorzustellen, in den schönsten Umständen, die es sich wünschen
kann, so schrecklich gebeugt und besiegt. Ein schwarzer Klumpen Wachs, nichts weiter.
Gestern noch im Wunderland, ich war begeistert von den neuen Farben, und rannte einem
weißen Kaninchen nach, das sich nun als Illusion herausstellt. Es gefiel mir im Wunderland,
auch wenn das schräge Auf und Ab mich mitnahm, ich war schon immer adrenalinsüchtig.
Aber das Wunderland hat nur begrenzt Zeit für jeden, niemand kann besonders lange darin
bleiben. Und den Preis für die Berg und Talfahrt bezahlt man im Nachhinein.

(c) Ronja

postheadericon Rauchen.

As Rauchen, jo des wü gleant sei
Des ko ned a jeda Depp
Und wei's a Wissenschoft fia si is
Erklär ma des jetz Step fia Step


Du nimmst a Tschick moi in de Goschn
Und mit am Feia zendst as o
Nimmst an gonz an diafn Schnaufa
Dassd moast, jo du verreckst davo

Don duast amoi gonz griawig huastn
Oba schrecka brauchst di ned
Aso is no a jedm gonga
Der ned woas, wias Rauchn geht

Don schnaufst as aus, ned durch de Nosn-
Durch n Mund
Weil aussa muas dea Schmorrn a do
Wo a am Ofong eini kummt!

Und wonnsd des gschofft host
Deafst scho stuiz sei, soweit kommt weit ned a jeda!
Nur überschätz di ned, mei Freind
Mit zwoa / drei Bier, scho auf da Leba

So schnaufst hoid ei und schnaufst hoid aus
So geht des oiwei weida
Nur wonns don noch Papier scho schmeckt
Donn is aus.
Jo. Leida.



(c) Roki

postheadericon Blame It On You



Broken fairy tale to yarn
Are we doomed to come undone?
Yet I'm still here
Another road for us is closed
Couldn't make what we're supposed
Supposed to be
Held the silence deep within
Is it yet a deadly sin
to swear to you?

All the memories I cannot take
And all the warmth I must forsake
I blame it all on you
Blame it all on you

Meet me on the dark side
Never by day I wander
Hello, I'm the white bride
Black to the bone
So never wonder

Broken bridge and burning tree
Rising sun, we need to see
To hurt the truth
Setting fire in the core
Killing both of us and know
I'm not the one
No reason

(c) Pia Colada

postheadericon Busfahrt durchs Leben.


eine busfahrt ist eine fahrt durch das leben... mit dir steigt immer ein schwall von leuten ins
leben ein. Die Trompeten in den Ohren blasen zum angriff- steh fest, tritt sicher auf- das
leben wird dich sonst umwerfen- steh fest, halte dich an, denn manche kurven kommen
unerwartet. Sieh dich um- einige sitzen, andere stehen, einige lächeln, manche scheinen
tot, so tot- bist du am leben? stehst du sicher? lächelst du? Deine mitfaherer werden nicht
immer deine mitfaherer bleiben- manche betrauerst du, wenn sie aussteigen- wirf ihnen
einen letzten blick hinterher und stehe, stehe fest da. such dir etwas, um dich daran
festzuhalten, manchmal steht auch jemand neben dir, der dich abstützt, dich ein stück
über die unberechenbaren kurven des lebens trägt, versuche, dennoch fest und trittsicher
zu stehen. Eines tages wirst du feststellen, das der lenker des busses du selbst bist, aber
bisdahin, stehe fest, und lächle. Denn man kann sich nicht aussuchen, wer einen durchs
leben begleitet, man kann nur offenen herzens gerade stehen und lächeln, und jemanden
bitten, noch ein paar haltestellen mitzufahren

(c) Ronja

postheadericon Bist du sicher.


Bist du sicher.
Ich mag keine Fragezeichen. Die Tür schwingt verheißungsvoll auf, mit ihr fließen schwermütige
Erinnerungen herein, sie schwingen in der Luft und drehen bunte Kreise. Geschlossene Augen, die
Erinnerungen tanzen mit dem Geruch nach Desinfektionsmittel, kalt und blau riecht es. Wie jeden
Tag. Routine. Jeden Tag hängt sich abgestandener Zigarettenrauch an meinen Mantel, und niemals
lässt er los bevor ich da bin. Vor der ersten Zigarette niemanden sehen wollen. Die erste Zigarette
nicht sehen wollen. Desinfektionsmittel tanzen sehen. Kalt und blau. Routine. Ich mag keine
Fragezeichen, ich finde sie verhöhnen mich. Alleine die Buchstaben an der Tür. Bist du sicher.
Manchmal überlege ich, ob es nicht Teil meiner heiligen Bürgerpflicht wäre, ein Fragezeichen
anzuhängen - die Erfüllung meiner Bürgerpflichten war niemals eine meiner ausgefeilteren
Kompetenzen. Bist du sicher. Die erste Zigarette lacht mich schon aus, bevor ich sie aus dem
Abgrund gezogen habe, indem ich alle meine schlechten Gewohnheiten aufbewahre. Ordentlich
aneinander gereihte Regale. Größer als die, in denen meine Kindheit ruht.
203 blaue Fliesen verteilen sich hier, hat mal jemand zu mir gesagt. Den Kippengeruch durch die
Stadt schleppen. Die erste Zigarette des Tages rauchen. Desinfektionsmittel einatmen. Erinnerungen
tanzen sehen. Sie schmeckt scheußlich, diese Zigarette. Routine. Ich hänge den Mantel an die Wand
und der gestrige Tag tropft mitsamt dem Gestank schwer davon ab.
Wenn ich die Augen schließe, spüre ich ihre Hände noch. Irgendwanneinmal waren sie sehr weich,
ihre Hände. Ich spüre ihre Umarmung, wenn ich die Augen schließe, rieche ihren Schweiß, ihr viel
zu süßes Parfum, ich spüre diese Lippen an meinem Hals. Ich schließe die Augen immer seltener.
Heute sind sie sehr rau, ihre Hände. Sie haben sich am Leben und an der Routine abgerieben. Meine
Augen sind noch geschlossen, solange ich sie nicht öffne ist sie noch bei mir. Manchmal frage ich
mich, ob ich sie hier, hinter meinen Lidern, gegen ihren Willen festhalte. Sie sieht mich an, ihr
Blick ist in irgendeiner beschnittenen Weise liebevoll, doch es fehlt diesem Blick eine Farbe, ein
Ton, irgendetwas. Dieser Blick ist liebevoll und gleichzeitig ein immer fortwährender Abschied. Ich
habe Angst, wenn ich sie so sehe, ich weiß nur nicht, ob ich Angst habe, dass sie diesen Blick
morgen, übermorgen, vor einem Monat in die Tat umsetzt, oder ob ich fürchte dass sie es nicht tut.
Ein einzelner Mensch hält so viel Abschied nicht aus. Die Augen immer seltener schließen. Ich
öffne müde die Augen, und ihre rauen Hände verschwinden zwischen meinen Beinen. Langsam.
Routiniert. Ich starre in meinen persönlichen Abgrund und kämpfe ein aussichtsloses Gefecht mit
der zweiten Zigarette.
Langsam verbreitet sich ein bitterer Geruch nach Kaffee in diesem, meinem persönlichen Raum.
Ein Lichtblick, das Desinfektionsmittel schwindet etwas. Tiefschwarze Erinnerungen leuchten am
grellsten – wann sind ihre Hände nur so rau geworden. Morgens liege ich im Bett und verliere den
Krieg gegen die Flut der Erinnerungen. Solange ich alleine dort liege, verliere ich den Krieg Tag für
Tag. Vielleicht brauche ich einen zweiten Menschen an meiner Seite nur aus diesem einzigen
Grund: Um jemanden zu haben, der dich aus den Armen der Vergangenheit reißt. Kaffee trinken.
Die zweite Zigarette rauchen. Die Augen nicht schließen wollen.
Die Geräusche der Stadt dringen plötzlich ungefiltert herein – ein „plötzlich“ das Momente lang
andauert, um dann doch schnell vergangen zu sein – jemand hat die Tür geöffnet.
Ganz kurz nur schließe ich meine Augen um ihre Arme um meinen Hals zu spüren. Der
Kaffeegeruch treibt den Druck ihrer Arme fort, sie trinkt keinen Kaffee. Zwei Schritte bis zum
Raum mit der alten roten Couch und dem kleinen Tischchen. Zwei Schritte bis zu dem Stapel mit
Verzichtserklärungen darauf. Zwei Schritte und einen noch, dann kann man die Kaffeeflecken auf
dem Tisch sehen, und die Zeitschriften unter der Glasplatte. Stapel neben Stapel. Der Luftzug
streichelt sanft über meine Bartstoppel, und die Tür geht widerwillig wieder zu. Halb erwarte ich
noch, ihr Gesicht zu sehen, die tiefbraunen Augen, die jeden Tag meinen Abgrund absuchen.
Zwischen mir und der Tür steht ein Mädchen.
Niemanden sehen wollen vor der dritten Zigarette. Jeden Tag dieselben zwei Schritte gehen. Alleine
im Bett liegen und den Kampf aufgeben. Manchmal überlege ich, dass ich eigentlich niemanden
brauchen sollte, der mich vor meinen Erinnerungen und Gedanken bewahrt. Die Sekunden, in denen
ich das denke, sind die, in denen ich mich am meisten nach ihrer Gegenwart sehne. Ich hätte dich
jetzt so unendlich gern hier... Doch vor mir stehst nicht du. Blaue Augen. Blau wie der Geruch des
Desinfektionsmittels. Schweigend stehen wir uns gegenüber, ich versuche, das Mädchen, das der
Stadtlärm und die abgasdurchtränkte Luft in mein Studio getragen hat, in die Bildergallerie meines
Kopfes einzutragen. Doch sie lässt sich nicht fangen, es scheint, als würden die Konturen ihres
Gesichtes verblassen, sobald man den Blick davon abwandte. Den Blick nicht abwenden. 203 blaue
Fliesen starren in das Gesicht des Mädchens. Eiskalte, blaue Augen. Doch der Blick ist leer.
Unentschlossen. Die Arme hält sie schützend vor dem Körper, als wolle sie die zirkulierenden
Erinnerungen davon abhalten, durch jede einzelne Pore in ihren Körper zu dringen und sie in einer
Flut aus Bildern mitzureißen in eine Welt, der ihr leerer Blick egal ist. Nichts ist so schwarz wie
eine Fensterscheibe, hinter der nichts ist, und man auf jemanden wartet, hab ich mal gelesen. Die
blauen Augen sehen so aus, als hätten sie zu lange durch dieses Fenster gestarrt. Es sind Augen, die
keine Fragezeichen mehr kennen. Sie sehen aus, als würden sie nur Sätze ohne Satzzeichen bilden.
Schweigend in einer Welt voller Lärm stehen. Keine Fragezeichen mögen. Zirkulierende
Erinnerungen sind nicht nur bunt, sie sind auch laut.
Hast du heute Zeit. Fragt sie. Ihre Stimme klingt fest entschlossen. Auf jede Antwort gefasst. Trotz
der simplen Frage. Vielleicht sind es manchmal die Antworten auf die simplen Fragen, die uns am
härtesten treffen können. Hast du heute Zeit. Ich mache erst in ner Stunde auf, sage ich, und bin mir
gleichzeitig bewusst, dass das keine passende Antwort ist. Ich will nur nen Namen. An der
Innenseite des linken Oberschenkels. Ich kann das gleich zahlen.
Erst mal hinsetzen. An die Zigarette denken, die im Hinterzimmer zu einem Zylinder aus weißer
Asche wird. Ich steche keine Partnertattoos. Ich versuche, den Blick nicht von ihren Augen zu
wenden, während ich das sage, als hätte ich Angst sie würden jeden Moment verschwinden. Einen
Moment lang denke ich, das sich ihr Gesicht verzieht, als wollte sie verächtlich lachen. Aber sie
starrt nur. Auf die Verzichtserklärungen. Auf die Kaffeeflecken. Sie sieht aus als wolle sie die Stille
nicht länger als nötig brechen. Kein Männername. Mithras.
Draußen verzieht sich eine Wolke, und vielleicht hat sich eine der grauen Zinnen kurz verschoben,
denn irgendwie schafft es ein Lichtstrahl zu uns herein. Wenn das Licht für einen kurzen
Augenblick intensiver in den Raum fällt ist es, als würde sich deine Seele für Sekunden um ein paar
Zentimeter erheben. Bis sie an die Grenze deines Körpers dringt. Solche Augenblicke beziehen ihre
Bedeutung stets aus ihrer Kurzweiligkeit. Blaue Augen.
Mithras. Was bedeutet das. In meiner Branche muss man Fragen stellen. Wenn auch ohne
Fragezeichen. Mithras ist der Gott, der Demian zu sich selbst führt. Kurz ist es sehr still. Ich bilde
mir ein zu hören wie die Zigarette um ihren letzten Lebenshauch seufzt. Ich stelle mir vor wie der
Rauch aufsteigt und sich genussvoll im Raum verteilt. Ich war schon immer angetan von der
Ästhetik aufsteigender Rauchschwaden. Mithras ist der Gott, der Demian zu sich selbst führt.
Gleich jetzt, frage ich sie. Das Meer in ihren Augen gewährt eine Sicherheit, die ich selten bei
meinen Kunden sehe. Die Buchstaben an der Tür verlieren etwas an Schwärze. Sie nickt.
Keine Farben, keine Schattierungen. Keine Verzierungen, keine besondere Schrift. Das
gleichmäßige Surren der Nadeln klingt wohltuend im Raum. Trotz des monotonen Surrens ist es
still im Raum. Das Mädchen mit den blauen Augen sitzt absolut still da, ihr Atem geht gleichmäßig
und drängt die Wellen in ihren Augen mit gewaltiger Kraft hin und her – sie sieht nicht einmal auf.
Sie sieht keine Sekunde hin. Ich habe keine Ahnung wer Mithras ist. Oder Demian. Kurz bevor ich
ein letztes Mal die Nadeln aufsetze schließe ich die Augen. Kurz Atmen. Kurz deine Hände spüren.
Was glaubst du, wird dieser Gott das blauäugige Mädchen zu sich selbst führen. Ich weiß es nicht.
Wie hält sie es aus hinter diesen leeren Augen zu wohnen. Die Körper sind die Särge der Herzen,
habe ich einmal gelesen. Ich bin fasziniert von diesem Blau. Ihr Sarg zumindest hat nun ein Wort
mit sieben Buchstaben an der Innenseite des linken Oberschenkels. Sieben Buchstaben, 203 blaue
Fliesen, blau wie das Meer, gewaltig wie die Wellen. Atmen. Ihre Hände spüren. Den kalten blauen
Blick gegen den seltsam, liebevollen austauschen. Ihre Lippen an meinem Hals fühlen. Sieben
Buchstaben schreiben. Wenn Mithras ihr geholfen hat, zu sich zu finden. Was dann. Wird sie sich
dann besser als bisher durchs Leben schleppen können. Warum muss das Leben eine Berg- und
Talfahrt aus oberflächlicher Fröhlichkeit und tiefgründiger Depression sein. Wer sein Glück nicht
von anderen abhängig macht, habe ich gelesen, der allein führt ein selbstbestimmtes Leben. Ich
schließe die Augen und spüre ihre Arme und den Blick ihrer goldenen Augen.
Das Mädchen sieht sich den neuesten Schmuck ihres Sarges nicht einmal an. Sie bezahlt. Ich
schließe die Türe hinter ihr. Absperren. Die dritte Zigarette rauchen. Die erste Zigarette genießen.
Einen Tag mittags für beendet erklären.
Ich nehme meinen Mantel von der Wand, der Geruch nach Desinfektionsmittel klammert sich fest
an jede einzelne Faser. Die Erinnerungen haben inzwischen aufgehört in der Luft zu tanzen, nun
dreht sich dort nur mehr Staub. Die Präsenz blauer Augen hat das Studio nicht zusammen mit dem
Mädchen verlassen. Sie ist noch hier, ich denke ich muss mich nur umdrehen um das Mädchen mit
dem Gesicht, an das ich mich nicht mehr erinnere, wiederzusehen. Mit Ausnahme der Augen. Ich
habe einen neuen Namen für dieses Blau. Sieben Buchstaben.
Nach Hause gehen. Den Stadtlärm desinfizieren. Die Augen schließen.
Bist du sicher.

(c) Ronja

postheadericon Asmelons Monde - Karte

Hier gibts die Landkarte zur Geschichte.
Eine Version in besserer Qualität folgt in den nächsten Tagen!
Pia

postheadericon Sei wie ein Baum



Ruhig in einer Welt voller Hektik
Standfest trotz den Wogen der Unsicherheit
Biegsam um dem Sturm zu trotzen
Lebe wie ein Baum
Wachse strebsam deinem größten Willen entgegen
Gedeihe einzeln aber nicht einsam
Kämpfe wie ein Baum
Verweile selbst in größter Not mit erhobenem Haupt
Sterbe wie ein Baum und du wirst Dünger sein, für die Welt danach.

(c) Mikael Saymann

postheadericon The Park of Loneliness


Verse 1:
I am sitting here
On the bench again
In the Park Of Loneliness
Where I sit quite often
When I don’t know what to do

I am staring at these people
Who are walking by
But they are ignoring me
Nobody cares I’m sitting here
With tears in my eyes

Chorus:
I am dreaming of a better world
I am trying to say everything’s alright
I have to move on
It’s time to go back to the chaos
I tried to run away from

Verse 2:
I am freezing
But I don’t even care
It’s cold and I feel empty
But nobody cares anyway
Cause they all can’t see me

I am trying to forget everything
I am thinking of my friends
And I know they don’t care
They have much more fun
When I’m not there

Verse 3:
I feel really empty
Does anybody miss me?
I don’t think they miss me
Cause I know them very well
They’re better off without me
I am waiting for somebody
To come and help me
To take me to a safe place
But there’s nobody
Who cares about me at all

I am pretending everything’s alright
With a fake smile
I leave The Park Of Loneliness
I leave it behind…


(c) Kriis Redhead

postheadericon Ich lebe



Ich lebe in einer Welt in der mir gezeigt wird, wie ich sein soll,
in der mir vorgeschrieben wird, was ich haben will,
in der mir die Freiheit in Ketten angeboten wird.
Gefangen in einer Gesellschaft deren einziger Wunsch Profit ist.
Deren Träume von der Industrie geschrieben werden.
Gefüllt mit Geistern die sich nach Umständen und Gegenständen sehnen,
welche sie ohne Werbung nicht einmal kennen würden.
Der Blick kann noch soweit in die Ferne schweifen,
wird er doch nur bis zum Brett vor der Nase reichen.
Der freie Geist ist vom Aussterben bedroht.
Er passt nicht in die heutige Welt.
Er passt nicht in das enge Konzept des wirtschaftlichen Denkens.
Er passt nicht zu dem freien Willen, der uns aufgezwungen wird.
Wir sind gefangen, gefangen in unserer so genannten Freiheit.
Bin ich den zum Aussterben verurteilt nur weil ich Träume?
Ich träume von einer Freiheit in der mir niemand seine Meinung aufzwingt.
In der ich meine Flügel spannen kann um den Himmel zu berühren.
Der Horizont in der Ferne, ist alles andere als das Ende der Welt.
Die Luft weht in einer feinen Brise,
gefällt mit den Gerüchen nach Wald und Wiese.
Sind wir überhaupt noch erlaubt uns dies zu Wünschen?
oder bin ich zum Aussterben verurteilt nur weil ich träume?

(c) Mikael Saymann

postheadericon Asmelons Monde: Prolog

Liebe Leute,
hier kommt der erste Teil (Prolog) meines Fantasy-Romans "Asmelons Monde". Es folgen wöchentliche Updates. 
An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle, die sich hier beteiligen! 
Peace,
eure Pia

DIE MONDE ASMELONS, Teil 1

Prolog

Das Eismeer war wegen der stürmischen Brandung auch in der kalten
Jahreszeit nicht zugefroren. Hohe Wellen schlugen gegen die Felsen und
eisiger Wind wehte gegen die Klippen an der Küste.
Auf einem schmalen Pfad zwischen den mächtigen Felswänden und den
viele Fuß hohen Klippen am Eismeer kämpften sich zwei in dickes Fell
gekleidete Gestalten mit ihren Pferden durch den Eissturm. Unter ihnen
verschluckten die schäumenden Wellen alles, was sich zu nahe an die
stürmische See wagte.
Zwei Tage waren vergangen, seit die Halbelfe Nuria und Eldir Skildorson
von der Hafenstadt Arkan am Eismeer in Richtung Süden aufgebrochen
waren. Sie waren vom Landesinneren des Reiches der Tausend Spiegel
gekommen. Ihre Heimat lag nah am Calneon, dem riesigen Gebirgszug, in
der Stadt Nareath am Tränensee. Einige Monate waren sie auf einem Schiff
am Fluss Kenlon entlang gesegelt, um die Hafenstadt Arkan am östlichen
Ozean zu erreichen.
Es war kein einfacher Schnee, der ihnen ins Gesicht blies, sondern kleine
vereiste Kristalle, die wie kleine Nadelstiche auf ihre Haut wirkten. Sie
waren gehüllt in dicke Mäntel mit Kapuzen, doch die unerbärmliche Kälte
spürte man selbst durch die warme Kleidung, die sie in Arkan gekauft
hatten. Ihr Weg führte sie nach Asgharit, der Hauptstadt Asmelons. Noch
heute Abend hofften sie die Grenze zu Asmelon ohne Schwierigkeiten zu
überschreiten. Asmelon, das Reich der Elfen, dachte Nuria versunken. Seit
die Elfen mit den Menschen des Westens aus Lunidor verfeindet waren,
wurden die Grenzen schärfer bewacht als zuvor, selbst an der Grenze des
Reiches Endorion.
„In wenigen Stunden sollten wir die Grenze erreichen“, rief Eldir durch den
Sturm Nuria zu. „Vergiss nicht, wir sind Reisende aus Arkan, die in
Asgharit Waren kaufen wollen!“
Nuria sah ihn an und nickte. Eldirs Gesicht war weiß vom Eis und eine
lange braune Haarsträhne, die aus der Kapuze hing, war ebenso wie sein
Bart zur Gänze eingefroren.
„Wo werden wir heute Nacht rasten?“, fragte Nuria und kämpfte sich durch
den Wind zu Eldir, der ein Stück weiter vorne ging. Selbst ihr Pferd Roth
ging nicht mehr so mühelos wie sonst über den steinigen und vereisten
Weg. Das Wetter machte auch den Pferden zu schaffen. Eldir und Nuria
hatten ihren Reittieren Felldecken aus Arkan aufgelegt und führten sie jetzt
neben sich her.
„Wenn wir Glück haben und ohne Probleme die Grenze passieren, gibt es
dort eine Unterkunft für Reisende. Dort können wir eine Nacht bleiben,
dürfen aber nicht lange verweilen.“
Nuria seufzte laut, doch aufgrund des heulenden Windes erreichte es nicht
einmal ihre eigenen Ohren.
„Die Götter mögen gnädig mit uns sein und diesen Sturm beenden,
ansonsten holen wir uns hier den Tod!“, rief Nuria Eldir zu.
„Es kann nur besser werden. Wir gehen schließlich Richtung Süden!“ Eldirs
Antwort ging in ein Husten über.
Nuria sorgte sich um Eldir. Seit zwei Tagen hustete er unentwegt und er sah
kränklich aus. Doch sie wusste, dass es sinnlos war, Eldir zu sagen, dass er
sich schonen sollte. Er würde ja doch nie zugeben krank zu sein. Nuria
beschloss in Gedanken ihn zu überreden einen Tag länger an der Grenze zu
bleiben, damit er sich für den bevorstehenden Weg schonen konnte.
Nach einiger Zeit wurde der Weg etwas breiter und man konnte
nebeneinander hergehen. Der Pfad führte in eine schmale Schlucht weg von
den Klippen am Eismeer. Hoch ragten auf beiden Seiten des Pfades die
Felswände in den Himmel. Kein Baum wuchs hier, es war weit und breit
nur Geröll und Stein zu sehen. Es wirkte unangenehm beengend, doch
wenigstens waren sie hier von Wind und Wetter besser geschützt.
Nuria betrachtete Eldir von der Seite. Sein Blick war trotz der Strapazen
stets stolz und unergründlich. Schon immer hatte sie ihn, den Sohn des
Statthalters von Nareath bewundert – wie er sein Schwert führte, wie
überlegen er mit anderen Leuten sprach, seine Klugheit und seine Hingabe
zu allem, was er tat. Tief im Inneren wünschte Nuria, er würde sie, die
kleine Halbelfe, auch so bewundern. Noch vor wenigen Monden war er ihr
Lehrer in der Kampfkunst gewesen und nie hatte sie ihn besonders
gemocht. Er hatte viel von ihr verlangt. Sie musste schwer arbeiten und
nicht selten kam sie schwer geschunden vom Unterricht nach Hause. Doch
nun war sie ihm überaus dankbar, dass sie wusste, wie man mit Schwert und
Bogen umging.
In wandte ihren Blick von ihm ab und sah nach vorne. Durch den leichten
Nebel sah sie Lichter.
„Wir sind da“, sagte Eldir und schritt schneller voran. Wenig später standen
sie vor einer kleinen, in den Fels gehauenen Festung. Der grobe Bau
erinnerte wenig an das Reich der Elfen, doch am oberen Teil konnte man
einen Turm erkennen, der im typisch elfischen Stil gebaut war.
„Falanstyr, die Steinfestung“, erklärte Eldir, als er Nurias staunenden Blick
sah. „Nördlichster Grenzstützpunkt der Elfen.“
Nuria und Eldir näherten sich einem großen mit Runen verzierten Torbogen,
der ins Reich Asmelon führte. Kaum waren sie hindurch geschritten, kamen
ihnen zwei mit Schwertern und Langbögen bewaffnete Elfen entgegen. Sie
trugen moosgrüne Umhänge und jeweils einen reich verzierten bronzenen
Wams.
„Seid gegrüßt, Fremde. Woher kommt Ihr und was habt ihr zu schaffen in
Asmelon?“, fragte einer der Elfen. Sie machten ein grimmiges Gesicht und
sahen doch schön und gebieterisch aus.
„Auch wir grüßen Euch, Elfen Falanstyrs“, antwortete Eldir übertrieben
freundlich. „Wir sind Reisende aus Arkan, die in Asgharit Waren der Elfen
kaufen wollen.“
„Ach, Reisende aus Arkan?“, fragte einer der Elfen misstrauisch und
beäugte die beiden Reittiere. „Wenn mich meine Augen nicht täuschen,
stammen diese prachtvollen Pferde aus Nareath.“
„Es stimmt, die Pferde wurden in Nareath gezüchtet“, meldete sich Nuria zu
Wort. „Sie waren ein Geschenk meines Vaters.“
Die Elfen blickten ernst. Einer von ihnen umkreiste Nuria und Eldir mit
stolzem Schritt.
Der andere sagte: „Selbst die Farbe Eurer Haare ließe mich an Eurer
Herkunft zweifeln.“
Eldir blickte ernst, sagte jedoch nichts. Auch die Elfen schwiegen, bis einer
von Ihnen sagte: „Ihr könnt passieren. Doch gebt Acht im Schattenwald.
Man sagt, der Wald berge so manche dunklen Geheimnisse.“
Eldir nickte dankbar. Sie gingen durch ein weiteres Tor aus Stein. Wieder
wurden sie von einem Elfen aufgehalten, der jedoch weniger Fragen stellte
und die beiden zu einer der Gästeunterkünfte begleitete. Er nahm die Pferde
mit in einen freien Stall und brachte den Reisenden eine warme Mahlzeit,
über die sie sich gierig hermachten.
Schon seit einem Tag hatten Eldir und Nuria kein Zeitgefühl mehr, da die
Tage so dunkel erschienen. Im Kamin prasselte ein Feuer.
„Wie lange werden wir brauchen, um nach Asgharit zu gelangen?“, fragte
Nuria ihren Begleiter.
Eldir zuckte mit den Schultern. „Einen guten Halbmond, wenn wir zügig
vorankommen. Wir müssen den Schattenwald durchqueren und du hast
gehört, was die Grenzwächter gesagt haben.“
„Hast du dir schon überlegt, wie wir es anstellen Rachmorda…“
„Sei still!“, fauchte Eldir. „Solche Worte könnten dich im Reich der Elfen
den Kopf kosten!“
Nuria senkte schuldbewusst den Kopf. Eldir stand auf und ging hustend im
Zimmer auf und ab. Nuria erkannte, dass sein Gesicht schmerzverzerrt war.
Sie stand auf und ging zu der Feuerstelle. Darüber hing ein Topf mit heißem
Wasser. Sie öffnete ihre Tasche und holte verschiedene Kräuter hervor, die
sie in das heiße Wasser gleiten ließ.
„Was machst du da?“, fragte Eldir. Er klang sehr schlecht gelaunt.
„Tee“, antwortete Nuria schlicht, ohne ihn anzusehen. Sie konnte seine
Antwort erwarten.
„Wie aufmerksam, aber ich brauche keinen Tee“, sagte er mürrisch.
Nuria sah ihn zweifelnd an. „Woher glaubst du zu wissen, dass der Tee für
dich ist?“
Eldir zuckte mit den Schultern und setzte sich auf das Bett. Nuria füllte
einen Becher und reichte ihn Eldir. „Hier, trink!“
„Danke“, sagte er leise und sah sie nicht an.
Nuria tat es weh im Herzen, doch sie wusste selbst nicht, wieso. Warum war
Eldir plötzlich so abweisend? Hatte sie etwas falsch gemacht?
„Entschuldige“, sagte er, als ob er ihre Gedanken lesen konnte. „Doch die
Müdigkeit erschlägt mich. Am besten wir legen uns schlafen und brechen
morgen früh auf.“
Nuria nickte betreten. Sie entledigte sich ihrer Stiefel und legte sich auf die
notdürftige Pritsche an der Wand. Sie drehte sich um, dass sie Eldir nicht
sehen konnte, doch irgendwie merkte sie, dass er noch nicht schlief,
sondern noch lange an seiner Bettkante saß und ins Feuer starrte. Nuria
stellte sich schlafend und drehte sich unauffällig, um Eldir zu sehen. Seine
Pupillen glänzten. Er sah traurig und wütend zugleich aus, doch Nuria
wagte nicht, ihn nach seinen Gründen zu fragen. Sie sah etwas auf seiner
Wange glitzern und stellte fest, dass es eine kleine Träne war. Sie hatte ihn
noch nie weinen sehen und selbst jetzt, konnte man fast kein Zeichen von
Schwäche erkennen. Nuria wollte aufstehen und ihn umarmen, mit ihm
reden, doch warum hatte sie auf einmal dieses Gefühl? Als ob sich die
Eingeweide in ihrem Bauch krümmen würden verstärkte es sich. Nuria
wollte sich wieder in Richtung Wand drehen, um Eldir nicht länger ansehen
zu müssen. Er tat ihr Leid, obwohl sie nicht wusste, was der Grund für sein
Verhalten war. Sie versuchte krampfhaft ihren Blick von ihm abzuwenden,
doch es gelang ihr nicht. Die Träne auf seinem Gesicht war verschwunden.
Das erste Mal merkte Nuria, wie schön er war. Den Stolz trug er sogar mit
Tränen im Gesicht, und wenn Nuria nicht zufällig bemerkt hätte, dass er
weinte, hätte man es nie geglaubt. Nuria versuchte, seinen Blick zu lesen,
doch wie immer war er unergründlich.
„Schlaf endlich, Nuria“, sagte er schließlich, ohne sich zu bewegen. Nuria
schreckte auf. „Morgen ist ein langer Tag und wir haben einen
anstrengenden Ritt vor uns.“
Er hatte also die ganze Zeit bemerkt, dass Nuria ihn beobachtete. Das
Mädchen dachte nicht mehr daran, sich umzudrehen und versuchen zu
schlafen. Sie stieg aus dem Bett und ging hinüber zu Eldir. „Und warum
schläfst du dann nicht?“
Eldir antwortete nicht. Noch immer blickte er ins Feuer.
„Ich merke doch, dass mit dir etwas nicht stimmt. Bitte sag es mir,
vielleicht kann ich dir helfen“, bat Nuria.
Eldir sah ihr in die Augen. „Vielleicht ein andermal. Das hier ist nicht der
beste Ort.“
Nuria setzte sich zu ihm auf sein Bett und legte die Hand auf seine Schulter.
Sie fühlte die Wärme, die von ihm ausging wie eine Woge warmen Wassers
über ihrem Körper. Er legte seine Hand auf die ihre und die Eingeweide in
ihrem Bauch schienen sich aufzulösen. Noch nie hatte sich Nuria bei einem
Menschen so geborgen gefühlt. Sie legte ihren Kopf an seine Schulter und
roch seine Haut. Ein Geruch wie eine Mischung aus Schweiß und
Tannennadeln stieg ihr in die Nase. Ihm so nahe zu sein, erfüllte ihre Seele
mit einem Glück, dass sie lange nicht mehr gefühlt hatte… Doch plötzlich
stand er auf.
„Gute Nacht, Nuria“, sagte er und zog seine Stiefel und das Hemd aus.
„Gute Nacht…“, sagte Nuria leise. Es war, als ob sie gerade aus einem
wunderschönen Traum erwacht wäre. Und jetzt, da Eldir so dastand, hatte
sie das Gefühl lieber sterben zu wollen, als jemals wieder von seiner Seite
zu weichen. Die langen braunen Haare fielen über seine nackten Schultern
und seine grünen Augen glänzten. Er legte sich auf seine Pritsche und
drehte sich weg. Es gab ihr einen Stich im Herzen, doch nun blieb ihr nichts
anderes übrig als sich auch schlafen zu legen. Noch lange lag sie da und
konnte nicht einschlafen. Zu viel ging ihr durch den Kopf, wie jede Nacht.
Doch diesmal ging es nicht um Rachmorda und die Mondelfen, sondern um
Eldir und sein merkwürdiges Verhalten. Und obwohl Nuria das Gefühl nicht
gut kannte, jetzt wusste sie wenigstens, was es war, das sie für Eldir
empfand. Doch ihr Verstand sagte ihr, dass sie lieber schlafen sollte um
morgen nicht vom Pferd zu fallen.

(c) Pia Colada

postheadericon Drown It In The Sea


Oh, please kiss away the pain
And take my burden from me
Drown it in the sea
The one that’s full of memories
Memories of you and me

And when the sun goes down
It’ll all be forgotten
Washed away by the flood
What was is now forgotten
Never existed, it’s rotten

And the next day we move on
As if nothing ever happened
We live a new life
As it’s all forgotten

What is drowned
Will never come back
Never come back
Never
‘Cause what we forget
Is forgotten
And we search for an anchor
We search until we die...

(c) Kriis Redhead

Über mich

Mein Foto
LaColada
"There was a time when all inspiration came out of words and all precious was written When we lay under trees and wished for the sun to stay" Literatur = „Die Kunst, Außergewöhnliches an gewöhnlichen Menschen zu entdecken und darüber mit gewöhnlichen Worten Außergewöhnliches zu sagen." (Pasternak)
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