Asmelons Monde: Prolog
Liebe Leute,
hier kommt der erste Teil (Prolog) meines Fantasy-Romans "Asmelons Monde". Es folgen wöchentliche Updates.
An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle, die sich hier beteiligen!
Peace,
eure Pia
DIE MONDE ASMELONS, Teil 1
Prolog
Das Eismeer war wegen der stürmischen Brandung auch in der kalten
Jahreszeit nicht zugefroren. Hohe Wellen schlugen gegen die Felsen und
eisiger Wind wehte gegen die Klippen an der Küste.
Auf einem schmalen Pfad zwischen den mächtigen Felswänden und den
viele Fuß hohen Klippen am Eismeer kämpften sich zwei in dickes Fell
gekleidete Gestalten mit ihren Pferden durch den Eissturm. Unter ihnen
verschluckten die schäumenden Wellen alles, was sich zu nahe an die
stürmische See wagte.
Zwei Tage waren vergangen, seit die Halbelfe Nuria und Eldir Skildorson
von der Hafenstadt Arkan am Eismeer in Richtung Süden aufgebrochen
waren. Sie waren vom Landesinneren des Reiches der Tausend Spiegel
gekommen. Ihre Heimat lag nah am Calneon, dem riesigen Gebirgszug, in
der Stadt Nareath am Tränensee. Einige Monate waren sie auf einem Schiff
am Fluss Kenlon entlang gesegelt, um die Hafenstadt Arkan am östlichen
Ozean zu erreichen.
Es war kein einfacher Schnee, der ihnen ins Gesicht blies, sondern kleine
vereiste Kristalle, die wie kleine Nadelstiche auf ihre Haut wirkten. Sie
waren gehüllt in dicke Mäntel mit Kapuzen, doch die unerbärmliche Kälte
spürte man selbst durch die warme Kleidung, die sie in Arkan gekauft
hatten. Ihr Weg führte sie nach Asgharit, der Hauptstadt Asmelons. Noch
heute Abend hofften sie die Grenze zu Asmelon ohne Schwierigkeiten zu
überschreiten. Asmelon, das Reich der Elfen, dachte Nuria versunken. Seit
die Elfen mit den Menschen des Westens aus Lunidor verfeindet waren,
wurden die Grenzen schärfer bewacht als zuvor, selbst an der Grenze des
Reiches Endorion.
„In wenigen Stunden sollten wir die Grenze erreichen“, rief Eldir durch den
Sturm Nuria zu. „Vergiss nicht, wir sind Reisende aus Arkan, die in
Asgharit Waren kaufen wollen!“
Nuria sah ihn an und nickte. Eldirs Gesicht war weiß vom Eis und eine
lange braune Haarsträhne, die aus der Kapuze hing, war ebenso wie sein
Bart zur Gänze eingefroren.
„Wo werden wir heute Nacht rasten?“, fragte Nuria und kämpfte sich durch
den Wind zu Eldir, der ein Stück weiter vorne ging. Selbst ihr Pferd Roth
ging nicht mehr so mühelos wie sonst über den steinigen und vereisten
Weg. Das Wetter machte auch den Pferden zu schaffen. Eldir und Nuria
hatten ihren Reittieren Felldecken aus Arkan aufgelegt und führten sie jetzt
neben sich her.
„Wenn wir Glück haben und ohne Probleme die Grenze passieren, gibt es
dort eine Unterkunft für Reisende. Dort können wir eine Nacht bleiben,
dürfen aber nicht lange verweilen.“
Nuria seufzte laut, doch aufgrund des heulenden Windes erreichte es nicht
einmal ihre eigenen Ohren.
„Die Götter mögen gnädig mit uns sein und diesen Sturm beenden,
ansonsten holen wir uns hier den Tod!“, rief Nuria Eldir zu.
„Es kann nur besser werden. Wir gehen schließlich Richtung Süden!“ Eldirs
Antwort ging in ein Husten über.
Nuria sorgte sich um Eldir. Seit zwei Tagen hustete er unentwegt und er sah
kränklich aus. Doch sie wusste, dass es sinnlos war, Eldir zu sagen, dass er
sich schonen sollte. Er würde ja doch nie zugeben krank zu sein. Nuria
beschloss in Gedanken ihn zu überreden einen Tag länger an der Grenze zu
bleiben, damit er sich für den bevorstehenden Weg schonen konnte.
Nach einiger Zeit wurde der Weg etwas breiter und man konnte
nebeneinander hergehen. Der Pfad führte in eine schmale Schlucht weg von
den Klippen am Eismeer. Hoch ragten auf beiden Seiten des Pfades die
Felswände in den Himmel. Kein Baum wuchs hier, es war weit und breit
nur Geröll und Stein zu sehen. Es wirkte unangenehm beengend, doch
wenigstens waren sie hier von Wind und Wetter besser geschützt.
Nuria betrachtete Eldir von der Seite. Sein Blick war trotz der Strapazen
stets stolz und unergründlich. Schon immer hatte sie ihn, den Sohn des
Statthalters von Nareath bewundert – wie er sein Schwert führte, wie
überlegen er mit anderen Leuten sprach, seine Klugheit und seine Hingabe
zu allem, was er tat. Tief im Inneren wünschte Nuria, er würde sie, die
kleine Halbelfe, auch so bewundern. Noch vor wenigen Monden war er ihr
Lehrer in der Kampfkunst gewesen und nie hatte sie ihn besonders
gemocht. Er hatte viel von ihr verlangt. Sie musste schwer arbeiten und
nicht selten kam sie schwer geschunden vom Unterricht nach Hause. Doch
nun war sie ihm überaus dankbar, dass sie wusste, wie man mit Schwert und
Bogen umging.
In wandte ihren Blick von ihm ab und sah nach vorne. Durch den leichten
Nebel sah sie Lichter.
„Wir sind da“, sagte Eldir und schritt schneller voran. Wenig später standen
sie vor einer kleinen, in den Fels gehauenen Festung. Der grobe Bau
erinnerte wenig an das Reich der Elfen, doch am oberen Teil konnte man
einen Turm erkennen, der im typisch elfischen Stil gebaut war.
„Falanstyr, die Steinfestung“, erklärte Eldir, als er Nurias staunenden Blick
sah. „Nördlichster Grenzstützpunkt der Elfen.“
Nuria und Eldir näherten sich einem großen mit Runen verzierten Torbogen,
der ins Reich Asmelon führte. Kaum waren sie hindurch geschritten, kamen
ihnen zwei mit Schwertern und Langbögen bewaffnete Elfen entgegen. Sie
trugen moosgrüne Umhänge und jeweils einen reich verzierten bronzenen
Wams.
„Seid gegrüßt, Fremde. Woher kommt Ihr und was habt ihr zu schaffen in
Asmelon?“, fragte einer der Elfen. Sie machten ein grimmiges Gesicht und
sahen doch schön und gebieterisch aus.
„Auch wir grüßen Euch, Elfen Falanstyrs“, antwortete Eldir übertrieben
freundlich. „Wir sind Reisende aus Arkan, die in Asgharit Waren der Elfen
kaufen wollen.“
„Ach, Reisende aus Arkan?“, fragte einer der Elfen misstrauisch und
beäugte die beiden Reittiere. „Wenn mich meine Augen nicht täuschen,
stammen diese prachtvollen Pferde aus Nareath.“
„Es stimmt, die Pferde wurden in Nareath gezüchtet“, meldete sich Nuria zu
Wort. „Sie waren ein Geschenk meines Vaters.“
Die Elfen blickten ernst. Einer von ihnen umkreiste Nuria und Eldir mit
stolzem Schritt.
Der andere sagte: „Selbst die Farbe Eurer Haare ließe mich an Eurer
Herkunft zweifeln.“
Eldir blickte ernst, sagte jedoch nichts. Auch die Elfen schwiegen, bis einer
von Ihnen sagte: „Ihr könnt passieren. Doch gebt Acht im Schattenwald.
Man sagt, der Wald berge so manche dunklen Geheimnisse.“
Eldir nickte dankbar. Sie gingen durch ein weiteres Tor aus Stein. Wieder
wurden sie von einem Elfen aufgehalten, der jedoch weniger Fragen stellte
und die beiden zu einer der Gästeunterkünfte begleitete. Er nahm die Pferde
mit in einen freien Stall und brachte den Reisenden eine warme Mahlzeit,
über die sie sich gierig hermachten.
Schon seit einem Tag hatten Eldir und Nuria kein Zeitgefühl mehr, da die
Tage so dunkel erschienen. Im Kamin prasselte ein Feuer.
„Wie lange werden wir brauchen, um nach Asgharit zu gelangen?“, fragte
Nuria ihren Begleiter.
Eldir zuckte mit den Schultern. „Einen guten Halbmond, wenn wir zügig
vorankommen. Wir müssen den Schattenwald durchqueren und du hast
gehört, was die Grenzwächter gesagt haben.“
„Hast du dir schon überlegt, wie wir es anstellen Rachmorda…“
„Sei still!“, fauchte Eldir. „Solche Worte könnten dich im Reich der Elfen
den Kopf kosten!“
Nuria senkte schuldbewusst den Kopf. Eldir stand auf und ging hustend im
Zimmer auf und ab. Nuria erkannte, dass sein Gesicht schmerzverzerrt war.
Sie stand auf und ging zu der Feuerstelle. Darüber hing ein Topf mit heißem
Wasser. Sie öffnete ihre Tasche und holte verschiedene Kräuter hervor, die
sie in das heiße Wasser gleiten ließ.
„Was machst du da?“, fragte Eldir. Er klang sehr schlecht gelaunt.
„Tee“, antwortete Nuria schlicht, ohne ihn anzusehen. Sie konnte seine
Antwort erwarten.
„Wie aufmerksam, aber ich brauche keinen Tee“, sagte er mürrisch.
Nuria sah ihn zweifelnd an. „Woher glaubst du zu wissen, dass der Tee für
dich ist?“
Eldir zuckte mit den Schultern und setzte sich auf das Bett. Nuria füllte
einen Becher und reichte ihn Eldir. „Hier, trink!“
„Danke“, sagte er leise und sah sie nicht an.
Nuria tat es weh im Herzen, doch sie wusste selbst nicht, wieso. Warum war
Eldir plötzlich so abweisend? Hatte sie etwas falsch gemacht?
„Entschuldige“, sagte er, als ob er ihre Gedanken lesen konnte. „Doch die
Müdigkeit erschlägt mich. Am besten wir legen uns schlafen und brechen
morgen früh auf.“
Nuria nickte betreten. Sie entledigte sich ihrer Stiefel und legte sich auf die
notdürftige Pritsche an der Wand. Sie drehte sich um, dass sie Eldir nicht
sehen konnte, doch irgendwie merkte sie, dass er noch nicht schlief,
sondern noch lange an seiner Bettkante saß und ins Feuer starrte. Nuria
stellte sich schlafend und drehte sich unauffällig, um Eldir zu sehen. Seine
Pupillen glänzten. Er sah traurig und wütend zugleich aus, doch Nuria
wagte nicht, ihn nach seinen Gründen zu fragen. Sie sah etwas auf seiner
Wange glitzern und stellte fest, dass es eine kleine Träne war. Sie hatte ihn
noch nie weinen sehen und selbst jetzt, konnte man fast kein Zeichen von
Schwäche erkennen. Nuria wollte aufstehen und ihn umarmen, mit ihm
reden, doch warum hatte sie auf einmal dieses Gefühl? Als ob sich die
Eingeweide in ihrem Bauch krümmen würden verstärkte es sich. Nuria
wollte sich wieder in Richtung Wand drehen, um Eldir nicht länger ansehen
zu müssen. Er tat ihr Leid, obwohl sie nicht wusste, was der Grund für sein
Verhalten war. Sie versuchte krampfhaft ihren Blick von ihm abzuwenden,
doch es gelang ihr nicht. Die Träne auf seinem Gesicht war verschwunden.
Das erste Mal merkte Nuria, wie schön er war. Den Stolz trug er sogar mit
Tränen im Gesicht, und wenn Nuria nicht zufällig bemerkt hätte, dass er
weinte, hätte man es nie geglaubt. Nuria versuchte, seinen Blick zu lesen,
doch wie immer war er unergründlich.
„Schlaf endlich, Nuria“, sagte er schließlich, ohne sich zu bewegen. Nuria
schreckte auf. „Morgen ist ein langer Tag und wir haben einen
anstrengenden Ritt vor uns.“
Er hatte also die ganze Zeit bemerkt, dass Nuria ihn beobachtete. Das
Mädchen dachte nicht mehr daran, sich umzudrehen und versuchen zu
schlafen. Sie stieg aus dem Bett und ging hinüber zu Eldir. „Und warum
schläfst du dann nicht?“
Eldir antwortete nicht. Noch immer blickte er ins Feuer.
„Ich merke doch, dass mit dir etwas nicht stimmt. Bitte sag es mir,
vielleicht kann ich dir helfen“, bat Nuria.
Eldir sah ihr in die Augen. „Vielleicht ein andermal. Das hier ist nicht der
beste Ort.“
Nuria setzte sich zu ihm auf sein Bett und legte die Hand auf seine Schulter.
Sie fühlte die Wärme, die von ihm ausging wie eine Woge warmen Wassers
über ihrem Körper. Er legte seine Hand auf die ihre und die Eingeweide in
ihrem Bauch schienen sich aufzulösen. Noch nie hatte sich Nuria bei einem
Menschen so geborgen gefühlt. Sie legte ihren Kopf an seine Schulter und
roch seine Haut. Ein Geruch wie eine Mischung aus Schweiß und
Tannennadeln stieg ihr in die Nase. Ihm so nahe zu sein, erfüllte ihre Seele
mit einem Glück, dass sie lange nicht mehr gefühlt hatte… Doch plötzlich
stand er auf.
„Gute Nacht, Nuria“, sagte er und zog seine Stiefel und das Hemd aus.
„Gute Nacht…“, sagte Nuria leise. Es war, als ob sie gerade aus einem
wunderschönen Traum erwacht wäre. Und jetzt, da Eldir so dastand, hatte
sie das Gefühl lieber sterben zu wollen, als jemals wieder von seiner Seite
zu weichen. Die langen braunen Haare fielen über seine nackten Schultern
und seine grünen Augen glänzten. Er legte sich auf seine Pritsche und
drehte sich weg. Es gab ihr einen Stich im Herzen, doch nun blieb ihr nichts
anderes übrig als sich auch schlafen zu legen. Noch lange lag sie da und
konnte nicht einschlafen. Zu viel ging ihr durch den Kopf, wie jede Nacht.
Doch diesmal ging es nicht um Rachmorda und die Mondelfen, sondern um
Eldir und sein merkwürdiges Verhalten. Und obwohl Nuria das Gefühl nicht
gut kannte, jetzt wusste sie wenigstens, was es war, das sie für Eldir
empfand. Doch ihr Verstand sagte ihr, dass sie lieber schlafen sollte um
morgen nicht vom Pferd zu fallen.
(c) Pia Colada
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