A Nocturnal Thought
What happens if we confuse dreams with reality?
I believe all that's left then
is either relief or an ache which cannot be mended.
You tell me: 'Time heals'.
But for some things there is no remedy.
Nevertheless, we keep moving on -
like ghosts and soulless shells.
(c) Pia Colada
Rubrik:
Pia
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1 Kommentare
Carpe Diem, Baby 2.0 - Part 5
Ich nahm einen
Schluck von dem ekelhaften orangen Getränk und sah ihnen nach. Ich
warf einen Blick durch die Menschenmenge, auf der Tanzfläche und in
der Sitzgruppe und musste feststellen, dass ich nicht viele Leute
kannte.
Ich nahm auf dem
nächstbesten Couchsessel Platz und wühlte in meiner Tasche. Ich
fand mein Handy und stellte fest, dass ich sogar Empfang hatte. Im
Nachrichtenordner fand ich eine Nachricht von Sara von vor zwei
Stunden.
Bin jetzt
schon bei Mäx. Helfe ihm alles vorzubereiten. Hoffe, ihr kommt bald.
xxx Sara
Sara und Mäx.
Seit ich die beiden vor einem guten Monat bekannt gemacht hatte, lief
etwas zwischen ihnen. Und sie war heillos verliebt. Ich hatte das
komische Gefühl, dass es nicht auf Gegenseitigkeit beruhte. Mäx war
ein Arschloch, wenn es um Frauen ging, ähnlich wie der Bauer. Ich
hatte ihm gesagt, dass ich ihm einen seiner Arme brechen würde, wenn
er das gleiche mit Saras Herz mache. Anfangs schienen meine Drohungen
Wirkung zu zeigen. Seit die Nachricht der bevorstehenden Apokalypse
eingegangen war, stand er eigentlich dauerhaft unter Drogeneinfluss
und briet alles an Mädchen an, was ihm vor die Augen hüpfte.
Ein Kribbeln fuhr
mir durch die Bauchgegend. Der Vodka zeigte seine Wirkung. Plötzlich
befiel mich ein Gefühl der Einsamkeit, das mir den Magen zuschnürte.
Ich sah die bekannten Gesichter, und die, die ich noch nie gesehen
hatte; wie sie tanzten, miteinander redeten oder weggetreten auf der
Couch lagen. War etwas anders als sonst? Ich begann an meiner
Nagelhaut zu kauen. Dass ich sie an einem Finger eingerissen hatte,
bemerkte ich erst, als ich Blut in meinem Mund schmeckte. Mat sollte
hier sein. Mat, den ich so vermisste, dass mir meine Innereien
schmerzten. Mein Freund Mat, den ich seit Jahren so gern hatte, dass
ich für jedes bisschen Zuneigung gekämpft hatte. Der Kerl, der vor
einigen Monaten zu seiner Ex-Freundin zurück gekehrt war, weil er
glaubte, ihr etwas schuldig zu sein...und ich mich seitdem fühlte,
als hätte er mein Herz heraus herausgerissen und mitgenommen. Ich
stellte mir vor, wie es jetzt über dem Bett der beiden hing. Gut
sichtbar, gleich neben seinen Eiern, die sie ihm offensichtlich schon
lange abgeschnitten hatte. Die Vorstellung ließ mich fester an
meiner Nagelhaut kauen und vor unterdrückter Wut brannten mir Tränen
in den Augen.
Ich spürte, wie
die Depressionen zurückkehrten; als würden sie nach einem
Sommerurlaub wieder nach Hause kommen und in ihren Koffern die alten
Gefühle zurück bringen. Mit einem kleinen Souvenir, nämlich die
Tatsache, dass wir alle bald sterben würden, und ich Mat vermutlich
nie wieder sehen würde.
Ich leerte mein
Nepenthes, alias Glas Wodka, und warf das Handy zurück in die
Tasche. Kurz hatte ich mit dem Gedanken gespielt, ihm eine Nachricht
zu senden. Stattdessen schluckte ich die orange Brühe hinunter und
kramte nach einer Zigarette.
Plötzlich fiel
der Strom. Die Musikanlage verstummte und es war stockdunkel. Nur
einige Kerzen und glühende Zigaretten erhellten den Raum. Es
kümmerte niemanden. Stromausfälle standen mittlerweile an der
Stundenordnung. Auch die Gitarrenklänge von der Dachterrasse gingen
in Stille über. Stattdessen ertönte der schrille, durchdringende
Schrei eines Mädchens. Augenblicklich wurden die Gespräche
eingestellt.
(c) Pia Colada
Carpe Diem, Baby 2.0 - Part 4
Lange ist es her...doch hier die Forsetzung.
Ich freue mich auf jede Menge gemeine und unangebrachte Kritik!
Der Bauer warf einen Blick auf sein iPhone. „Sieben Anrufe in Abwesenheit“, murmelte er genervt. „Und das, obwohl dreiviertel des Tages das Netz nicht funktioniert. Wie macht sie das?“Mit 'sie' war Alena gemeint, die Freundin des Bauern, die er vor ein paar Tagen weniger charmant abserviert hatte. Er wusste, was ich davon hielt und sparte sich jeden weiteren Kommentar. „Kommt sie heute auch auf die Party?“, fragte Uwe.Der Bauer schnaubte. „Ich hoffe nicht...“Alena sah unheimlich gut aus und wir wussten alle, dass Uwe ein oder mehrere Augen auf sie geworfen hatte. Allerdings machte er das bei so gut wie jedem Mädchen, dem nicht unbedingt ein Arm oder ein Bein fehlte. Alena war die Tochter eines neureichen Unternehmers, der mehrere Tankstellen besaß. Der Bauer hatte sie bei einem Studentenfest des rechtswissenschaftlichen Instituts aufgerissen. Er studierte zwar selber nicht, besuchte aber leidenschaftlich gerne die Jus-Feste der Uni, weil da genau die Mädchen abhingen, von denen er behauptete, genau seine Kragenweite zu sein. Sie war naiv, blond, aus gutem Hause und stieg mit ihm am ersten Abend ins Bett, was sie dazu qualifizierte, eine seiner kurzfristigen Affären zu werden. Den gesamten Freundeskreis hatte es erstaunt, dass er sie nun schon anderthalb Jahre behalten hatte, was vermutlich an der Tatsache lag, dass ihr Vater dem Bauer einen Geschäftsführerposten an einer seiner Tankstellen Filialen verschafft hatte. Seitdem hatte er versucht sie in unsere Runde zu integrieren, aber Uwe war der einzige, der froh war, den Neuzugang in unserer 'Gäng', wie er es nannte, zu begrüßen. Auch ich mochte sie nicht, aber wie der Bauer sie sitzen gelassen hatte, erschien mir sogar für seine Begriffe sehr misogyn. „Was will die Alte überhaupt auf der Party? Sind doch bloß Nerds dort“, warf Ben ein, an einem Grashalm kauend. „Und keiner, der noch ganz dicht ist, würde sie einladen.“ „Sie war auch bis vor ein paar Wochen immer dabei“, antwortete ich und nahm einen Zug an meiner Zigarette. „Nicht meine Schuld“, entgegnete mein Mitbewohner. „Hat dich aber nicht daran gehindert, ihr ständig auf den Arsch zu starren“, giftete ich in seine Richtung, was er mit einem dämlichen Grinsen erwiderte.
Die Hippies auf drei Uhr hatten zu singen begonnen und umarmten Bäume. Wir warfen uns einen angewiderten Blick zu, was das Zeichen war, schnellstens die Party aufzusuchen.Wir betraten die Dachgeschosswohnung von unserem Freund Mäx. Es war ein riesiger Raum mit offener Küche. Die verglasten Schiebetüren, die auf eine große Dachterrasse führten, waren geöffnet. Trotzdem wehte uns eine Wolke aus blauem Nebel und Grasgeruch ins Gesicht. Aus den Boxen der Musikanlage dröhnte laute Elektromusik. Die ganze Bude war rappelvoll mit Leuten. Einige tanzten nahe der Anlage, andere gammelten lethargisch auf der Couch am anderen Ende des Raumes. Von der Dachterrasse her hörte man dumpfen Akustik-Gitarren-Sound.Kaum hatten wir die Wohnung betreten, erblickten wir ein bekanntes Gesicht. Meine Freundin Sara kam uns mit Drinks auf einem Tablett entgegen. Sie trug ein gerade geschnittenes, knielanges Kleid und ein Stirnband mit Federn. Um ihren Hals hingen gefühlte tausend Perlenketten. „Drinks für die Herrschaften?“ Sie strahlte uns an und reichte jedem von uns ein Glas mit orangener Flüssigkeit. Der Bauer beäugte das Glas misstrauisch und sah Sara fragend an.
„Wodka mit Brausetablette. Zwecks der Vitamine.“Kaum hatte sie den Satz beendet, hatte Ben das Glas bereits geleert. „Schmeckt nicht übel. Ich hol mir mehr davon.“ Er machte sich auf den Weg an die Bar, sprich die Küche. „Hi Sara“, begrüßte ich meine Freundin und umarmte sie flüchtig. Meine Begleiter taten es ihr gleich; Uwe nicht, ohne ihr einen Kuss auf die Wange zu drücken. „Küss die Hand, schöne Frau“, hauchte er ihr ins Ohr. Sara sah ihn grimmig an und entgegnete: „Das war aber nicht meine Hand...“ Sie wandte sich mir zu. „Schön, dass ihr da seid!“ „Sara, was willst du uns mit deinem Aufzug sagen?“, fragte ich und beäugte ihr Kostüm, das stark an die Zwanziger Jahre erinnerte. „Prohibition, meine Freunde!“, antwortete sie lachend und nahm einen Schluck aus einem Champagnerglas.
„Prohibition?“, fragte der Bauer ungläubig und verzog das Gesicht.Uwe meldete sich zu Wort. „Sie will damit auf die Ära der Prohibition der Zwanziger und Dreißiger Jahre in den Vereinigten Staaten hinweisen. Auch damals wurden schon Parties...“ „Jaja, wir wissen, was das ist!“, fiel ich Uwe, dem elenden Klugscheißer, genervt ins Wort. „Aber sie scheint die einzige zu sein, die von der Mottoparty wusste...“ „Ist doch egal“, tat Sara das Thema ab. „Mir war eben heute nach Prohibitionsparty. Also, auf die Golden Twenties!“ Wir stießen mit unseren Getränken an.
Ein dumpfer Knall lenkte unsere Aufmerksamkeit auf die Tanzfläche. Ein umgekippter Rollstuhl lag mit rotierenden Rädern auf dem Boden und daneben ein alter Mann, nur mit Unterhose bekleidet, der sich vor Lachen krümmte. Mäx und ein anderer Typ, ebenfalls einem Lachkrampf verfallen, halfen dem Alten auf und verfrachteten ihn wieder in den Rollstuhl. „Noch eine Runde, Jungs!“ „Das ist Stadler, der wahnsinnige Drogen-Pensionist. Vielleicht hat er was für mich...“, erklärte der Bauer grinsend und stürmte auf die Tanzfläche um Mäx' Nachbarn zu begrüßen.
„Ich muss auch kurz weg“, sagte Sara, leerte ihr Glas und drückte es mir in die Hand. „Jemand hat das Klo vollgekotzt, ich mach schnell sauber!“ Und sie verschwand durch eine Tür ins Badezimmer. „Ich helfe dir!“, rief Uwe ihr nach und verschwand ebenfalls.
(c) Pia Colada
Carpe Diem, Baby 2.0 - Part 3
Liebe Hurenkinder,
alles froh im Mäusezoo?
Es folgt ein weiteres Update zu meiner Geschichte.
Ich möchte allerdings anmerken, dass die Charakterisierung der Hauptprotagonistin NICHT AUTOBIOGRAFISCH zu verstehen ist. - An dieser Stelle einen lieben Gruß an meine Eltern ;)
Auch weitere Charaktere sind frei erfunden und sind, bis auf wenige Details, keinen realen Personen nachempfunden.
Weiters möchte ich darauf hinweisen, dass es sich um eine reine Arbeits-Version handelt, d.h. inhaltliche und grammatikalische Fehler können vorkommen. Am Ausdruck wird ebenfalls noch gefeilt.
Freue mich allerdings über jede Art von KONSTRUKTIVER Kritik.
Danke fürs Lesen!
Pia
Ich war ein
taffes Mädchen, immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Vor
allem, wenn ich mich unsicher fühlte. Ein bisschen selbst destruktiv
war ich schon immer gewesen. Ich ging grundsätzlich nicht zum Arzt
(geschweige denn achtete ich auf meine Gesundheit), rauchte wie ein
Schlot und trank gerne Bier und Wein. Oh, wie ich es liebte!
Man kann auch
sagen: Wie ich es brauchte!
Wir saßen gerade
im stadteigenen Park. Es war nicht einfach gewesen einen ruhigen
Platz zu finden. Die besten, schattigen Stückchen Wiesen
beanspruchten neuerdings, mehr noch als sonst, Neo-Hippies mit ihren
Didgeridoos und Trommeln für sich. Klar, die wollten der Apokalypse
auf spirituellem Weg begegnen. Wir dagegen, die durchschnittlichen
Studenten und jungen Leute, zogen Alkohol und Rockmusik vor. Und hie
und da eine Tüte Gras. Mäx, einer meiner besseren Freunde, war
mittlerweile auf alles mögliche umgestiegen. Hauptsächlich kokste
er, weil er den Stoff von seinem Pensionisten-Nachbarn meist
geschenkt bekam. Woher der Alte den Schnee hatte, wussten wir nicht,
fragten aber auch nicht nach.
Unseren
Freundeskreis als normal zu betrachten war eine ziemliche Anmaßung
unsererseits. Wir hielten uns für unglaublich witzig und was wir
taten, nahmen wir als Norm aller Dinge, die junge Menschen eben so
tun. Trotzdem waren wir keine Assis. Im Grunde waren wir brave
Studenten, die zu gegebener Zeit die Prüfungszeit auch einigermaßen
Ernst nahmen. Die meisten von uns gingen sogar einer geregelten
Arbeit nach - also typische junge Leute, mit einer gewissen oralen
Fixierung.
Nun saßen wir
also im Park. Ben, der Bauer, Uwe und ich. Ben nippte mit glasigem
Blick an einer Bierdose. Mit denen mussten wir sparsam umgehen, die
gab es nicht mehr so einfach zu kriegen. Leichter war es mit dem
Wodka. Den bekam man fast überall her. Aber da Ben auf seine
obligatorische Halbe bestand, wollten wir sie ihm nicht verwehren.
Bauer, der mit richtigem Namen Andreas Buchmann hieß, trank uralten
Scotch aus einem Flachmann. „Aus der Sammlung meines Alten“,
erklärte er grinsend. „Ausgezeichneter Tropfen. Ich will ja
schließlich nichts verschenken.“ Wie immer sah der Bauer extrem
cool aus. Warum er eigentlich so hieß, daran konnte sich niemand
mehr erinnern und es machte auch gar keinen Sinn, denn es gab
niemanden, der weniger bauernhaft aussah, wie der Bauer. Er war das
typische Urban Kid – ohne es zu wollen oder sich großartig
anzustrengen, einfach cool. Für Außenstehende vielleicht ziemlicher
Kotzbrocken, aber im Grunde der netteste Mensch auf der Welt.
Und Uwe, der
deutsche Psychologiestudent, wurde von manchen wie die Gurkenscheibe
im Cheeseburger betrachtet. Er war immer dabei, aber keiner konnte so
recht etwas mit ihm anfangen. Aber da er nun immer mit von der Partie
war, hatten wir gelernt ihn zu mögen. Wenn man seine neunmalklugen
Sprüche ignorierte, war er sogar ein ganz netter Kerl.
Von nebenan wehte
Rauch in unsere Richtung. Naserümpfend sah ich zu den Hippies, die
uns am nächsten saßen. Sie verbrannten Geldnoten.
„Scheiß
Heuchler“, schimpfte Ben. „Normalerweise hätten diese Idioten
das nie gemacht.“ 'Normalerweise' hieß in dem Fall: wenn nicht der
Weltuntergang bevor stünde. Der Bauer grunzte und sah die Hippies
mit ihren Fairtrade-Kleidern abschätzig an. „Alles Kinder von
reichen Eltern. Reine Rebellion, sonst nichts.“
„Und was bist
dann du?“, gab Ben phlegmatisch zur Antwort und legte sich
rücklings in die Wiese, die Arme lässig hinter seinem Kopf
verschränkt.
Der Bauer
schnaubte nur.
Langsam begann
ich zu frösteln. Es war ein warmer Septembertag gewesen, doch nun
legte sich die Dämmerung über den Abend und die Baumkronen des
Parks glühten rot. Ich kauerte mich enger zusammen. Der Bauer legte
seine Lederjacke über meine Schultern. Ich lächelte dankend und bot
ihm eine Zigarette an. Plötzlich überkam mich ein tiefes Gefühl
der Dankbarkeit gegenüber meiner Freunde. Oft hatte ich mich
gewundert, warum sie die letzten Monate nicht bei ihren Familien
verbrachten. Ihre Eltern wohnten allesamt nicht in der Stadt. Anfangs
dachte ich, es sei Mitleid und sie würden nur meinetwegen hier
bleiben, doch nun war ich dankbar, nicht alleine zu sein. Ich selber
hatte keine Eltern mehr. Sie waren verstorben, als ich noch ein
kleines Kind war. Flugzeugabsturz über Sibirien. Und vor einem Jahr
war auch meine Ersatzmutter, Tante Elsa von uns gegangen. Stilecht an
Altersschwäche, buchstäblich mit einem Glas Gin in der Hand. Zu
früh, wie viele meinten. Ich wusste es besser. Sie hatte den
Zeitpunkt selbst gewählt, an dem sie sterben würde und hatte gerade
so lange gewartet, bis ich ein Alter erreicht hatte, wo sie glaubte
ich käme mit mir selbst zurecht.
(c) Pia Colada
(c) Pia Colada
Wanderungen zur Schlafenszeit - eine Philosofiktion
Ich sitze auf einem breiten Ast auf einem uralten Baum am Rande der Lichtung. Grüne
Blätter umschmeicheln mich im sanften Wind, die Strahlen der wärmenden Sonne werfen
ein tanzendes Muster durch das Blätterdach auf mein Gesicht. Von meiner Position
aus lässt sich die Lichtung, der Weg und die kleine Steinbrücke, die über den schmalen
Fluss führt, gut überblicken. Die Lichtung verzaubert mich in ihrer unbelassenen Natürlichkeit,
das wilde Gras ist etwa Knie hoch, hier und da wachsen kleine Linden und Birken,
die einst wenn sie mächtiger werden, die Lichtung völlig in Vergessenheit geraten
lassen werden. Ich erkenne am Fuß meines Baumes Blaubeerbüsche, aber ich sehe auch
die roten Pünktchen wilder Erdbeeren.
Kurz überlege ich, ob ich von meinem hohen Aussichtsposten schnell herabsteigen soll
um mir die weitere Wartezeit mit einer Hand voll köstlicher Früchte zu versüßen. Aber
nein, von den köstlichen Gaben der Natur werde ich später noch zur Genüge naschen
können, der Punkt den ich auf dieser Lichtung beweisen will, ist ein anderer. Nur noch
etwas Geduld, es kann nicht mehr solange dauern.
Am Rande der Lichtung, einige Meter entfernt, hüpft eine Hirschkuh aus dem Dickicht.
Nach einigen eleganten Schritten wird sie zaghaft langsamer, bleibt stehen, hebt den
wunderschönen Kopf und blickt zu mir. Ihre Rehaugen sehen mich vorwurfsvoll an. Als
ob sie wüsste, dass ich nicht ihretwegen hier bin, als ob sie erahnen würde, dass die folgenden
Ereignisse auf dieser Lichtung sie nicht weiter betreffen würden, nichts in ihrer
Welt zu suchen haben, dreht sie sich um und schreitet hoch erhobenen Hauptes unter die
Bäume und entschwindet aus meinem Blick. Die Sonne nähert sich langsam den Wipfeln
der Bäume, es wird langsam spät. Im Dorf erwartet man gerade die Rückkehr der
Arbeiter von den Feldern. Meine Arbeit hier ist noch nicht erledigt, mein These noch
nicht bewiesen, noch warte ich.
Da endlich höre ich Schritte, brechende Ästchen, raschelndes Laub unter fremden Wanderstiefeln.
Ich wage mich nicht umzudrehen, nicht um meinen Baum herum zu sehen,
auf dem ich mich positioniert habe. Ich kann nur hoffen, dass er es ist. Die Schritte nähern
sich, ich sehe unter mir das reich bestickte Gewand eines großen aufrechten Mannes,
sein Schulterlanges Haar weht verspielt im Wind, kurz kann ich von oben herab
einen Blick auf sein kantiges Gesicht, seinen spitzen Bart und seine dunklen Augenbrauen
erhaschen. Seine Augen wirken kalt.
Er folgt dem Pfad weiter in Richtung Brücke, an seinem Gurt hängt ein mächtiges
Schwert in seiner Scheide. Zielsicher und stark schreitet er weiter. Er hat unser Dorf
verlassen, nachdem er mehrere Tage gepredigt hatte, zieht nun zum nächsten Ort um
seine Philosophie des Untergangs zu verbreiten. Sanft und leise gleite ich vom Baum,
geduckt husche ich ihm hinter her.
Zarathustra ist groß, zu groß für mich. Ich setze zum Sprung an, schnelle hoch, meine
Linke umschlingt seine Hals mein linkes Bein erwischt seine Kniekehle, das rechte angewinkelte
Knie trifft zielsicher seinen Rücken. Der Philosoph geht in die Knie während
meine beiden Beine wieder festen Boden erreichen. Nun ist der Hüne auf einer
Höhe, die es mir ermöglich seine Philosophie zu widerlegen. Während sein Hals noch
zwischen meinem linken Ober- und Unterarm eingeklemmt ist, zieht meine Rechte den
Dolch und rammt ihn dorthin, wo seine Wirbelsäule ist. Einmal, zweimal, dreimal, vier
mal, nocheinmal – viele weitere Male – steche ich auf seinen Rücken ein, plötzlich wird
der Kleine zum Großen, die Philosophie des Stärkeren hat versagt. Zarathustra bricht
vor mir zusammen, fällt unsanft auf den Bauch, sein Kopf klatscht auf den ausgetretenen
Boden des Waldweges.
Während sich die Strahlen der Sonne langsam verfärben, ihre Wärme verlieren und die
Lichtung in ein romantisches, abendliches rot tauchen, fließt und spritzt das Leben aus
unzähligen Wunden des Philosophen, entflieht und verliert sich im trockenen Laub des
Weges. Meine Stiefel stehen in einem Meer aus Blättern, die auf einem See aus verendendem
Leben wie kleine Schiffchen auf Wellen hin und her tanzen. Ich stehe aufrecht,
die Schönheit der Lichtung um mich, die Weite des Himmels, die unglaublichen Formen
der Wolken, durchbrochen von den letzten Strahlen der Sonne, über mir, das Rauschen
des Baches und das Säuseln des Windes dringen an meine Ohren. Es ist der wichtigste
Moment meines Lebens, entscheidend für den Fortbestand der Menschheit. Zarathustras
Wahnsinn liegt auf der Waagschale. Während sich das einst so mächtige Häufchen
Elend vor mir in seinem eigenen Blut krümmt, warte ich darauf, dass es seine eigene
Schwäche überwindet und daraus erstarkt hervor geht. Ich gebe ihm die Chance seine
Philosophie zu beweisen. Er hustet Blut, seine Hände sind unnatürlich im Krampf des
Todeskampfes verkrümmt. Ich habe seine Philosophie des Stärkeren widerlegt, an seiner
eigenen Schwäche geht er zu Grunde. Irgendwo dort hinter dem Vorhang des Waldesrands
heult eine Eule.
Ich werfe meinen Dolch hoch, er überschlägt sich in der Luft und als ich ihn mit der
Klinge nach unten zeigend fange, gehe ich mit ihm in die Knie. Ein letztes Mal rast
meine Rechte auf den Philosophen herab, die Schneide bohrt sich irgendwo zwischen
der dritten und vierten Rippe in das Fleisch. Ich führe die Klinge zur Mitte, wo die Rippen
mit den Wirbeln zusammen treffen.
Ich bin die Antithese. Die Kritik ist geäußert, die These hat sie mit voller Kraft zu spüren
bekommen. Kein Grund auf halbem Wege zaghaft zu werden, ich stochere und steche
an seinem Rücken herum, bis die Wirbelsäule freiliegt. Ein abartiger Gestank weht
mittlerweile über die Lichtung. Ich ziehe das Messer aus dem bis zur Unkenntlichkeit
verunstalteten Rücken und werfe es weg. Ich knie über dem einstig so großen Philosophen,
Stolz und ein ungeahntes Feuer brennen in mir. Mit den letzten Strahlen der Sonne,
die lange Schatten über die Lichtung werfen, ramme ich meine Faust in die Wunde,
umschlinge seine Wirbelsäule und reiße mit aller Kraft an.
Mein Werk hier ist vollbracht. Ich habe meinen Punkt mehr als gründlich belegt. Die
Sonne ist verschwunden, der Himmel und die Wolken samt ihren bizarren Formen sind
in ein unwirkliches Farbenspiel aus violett und weinrot gehüllt. Langsam und bedächtig
bahne ich mir meinen Weg durch die Wiese zum Ufer des Flusses. Ich wasche meine
Hände. Ich klatsche mir kaltes Wasser ins Gesicht. Begierig trinke ich einige Schlucke
vom kühlen klaren Wasser. Wie eine Erlösung scheint mir das Nass, das meinen trockenen
Mund befeuchtet, die Kehle hinab rinnt. Philosophie macht durstig. Mittlerweile
ist es so dunkel, dass ich von der Lichtung nur noch Schemen erkenne.
Am Weg zu den Erdbeeren wirft sich mir die Frage auf, ob ich mit meiner Tat nicht nur
seine These nicht widerlegt, sondern sogar belegt haben könnte. Ein schrecklicher Gedanke,
die Erkenntnis brennt wie glühendes Eisen. Ich gehe zu dem zerfetzen Überresten
des Märtyrers, schnalle mir sein Schwert um und ziehe in der Schwärze des nächtlichen
Waldes los. Über mir zeichnet sich ein schmaler Pfad aus dunkelblauer Nacht, vereinzelt
aufgehellt durch funkelnde Sterne, da wo die Bäume dem Weg gewichen sind.
Trotz der Dunkelheit fürchte ich mich nicht, zielsicher führen mich meine Schritte durch
die Finsternis. Der Schwache ist an diesem Tag erstarkt, zum Stärkeren geworden. Ein
hässlicher Gedanke, eine grausige Philosophie. Wahnsinn den ich widerlegen wolle,
Wahnsinn den ich nur bestätigte. Und davon also werde ich, Zarathustra, sprechen.
(c) Yo May
Carpe Diem, Baby 2.0 - Part 2
Hier die Fortsetzung:
Sollicitudo
Es hatte vor drei
Wochen begonnen. An einem Sonntag Abend war die Nachricht von allen
nationalen und internationalen Medien bekannt gegeben worden. Wir
hatten noch einen Monat. Wir. Die ganze Menschheit. Alle, bis auf ein
paar Auserwählte, die eine geringe Chance hatten, der Katastrophe zu
entgehen. Die Welt wird nicht mehr die selbe sein. Und unsere
Zivilisation wird ausgelöscht werden. Was also machst du mit der dir
gegebenen Zeit?
Die Regierung
hatte schon Jahre davon gewusst, doch es erschien ihr als die bessere
Lösung die Bevölkerung im Ungewissen zu lassen. Man hatte einen
minimalen Anteil der Menschheit dazu eingeladen, vor der Katastrophe
die Erde zu verlassen. Doch was wissen wir einfachen Leute schon
davon? Wir müssen uns mit unserem Schicksal anfreunden. Wir müssen
für uns entscheiden, was wir mit der uns gegebenen Zeit anfangen
wollen.
Am Montag war die
gesamte Weltwirtschaft zusammen gebrochen, Warenlieferungen
eingestellt und Geschäfte geplündert worden. Einige freischaffende
Journalisten druckten im Alleingang wenige Exemplare von Zeitungen.
Menschen stürmten in Scharen in Kirchen, manche begangen auf offener
Straße Selbstmord. In Paris und Moskau wurde Autobomben von
wahnsinnigen Einzeltätern auf öffentlichen Plätzen gezündet,
Krankenhäuser schlossen den Betrieb und mehrmals am Tag brach die
Stromversorgung ein. Der Großteil des Flugverkehrs wurde eingestellt
und Treibstoff an den Tankstellen war nunmehr Mangelware.
Mittendrin eine
Wohngemeinschaft von drei Stundenten. Ich, Ben und Vera. Alle Mitte
zwanzig. Sich mit dem sicheren Tod abzufinden, war gar nicht so
einfach. Vera, zum Beispiel, sonst die Frohnatur in Person, wurde von
Heulkrämpfen geschüttelt – Tag für Tag. Ben war ständig
bekifft. Er sprach nicht viel darüber.
Und ich? Was ich
eigentlich dachte, behielt ich für mich. Denn in Wahrheit schämte
ich mich ein bisschen für meine Gedanken. Wenn ich ganz ehrlich zu
mir selbst war, beunruhigte mich dieser bevorstehende Weltuntergang
nicht. Weltuntergang – wie das schon klingt. Aber das war es, was
uns bevorstand. Dass wir alle sterben würden, war die unleugbare
Wahrheit. Und auf eine seltsam beruhigende Weise stimmte mich der
Gedanke zufrieden und versetzte mich in eine tiefe, innere Ruhe.
Vielleicht, weil mir bewusst war, dass alle von uns gehen mussten.
Vielleicht, weil ich bereits manchmal daran gedacht hatte, von selbst
zu gehen. Oder vielleicht, weil alle anderen Sorgen meines Lebens wie
weggefegt schienen. Die bevorstehende Seminararbeit an der Uni machte
mir keine Sorgen mehr. Noch lebte ich, allerdings im Hier und Jetzt.
Und nie in meinem vierundzwanzigjährigen Leben hatte ich es so
intensiv gespürt. Doch warum hielt mich diese tiefe Demotivation
davon ab, die Sachen zu tun, die ich schon immer tun wollte? Diese
verankerte Trägheit wollte mich nicht los lassen. Und das war es,
was mich wirklich beunruhigte.
(c) Pia Colada
(c) Pia Colada
Carpe Diem, Baby 2.0 - Part 1
Hallo Hurenkinder,
ich arbeite an einem neuen Buch. Sagt mir, was ihr davon haltet und scheut keine Kritik!
Hier der Prolog:
"Sed
omnes una manet nox et calcanda semel via leti."
Doch alle erwartet die eine Nacht und der Weg des Todes, den man nur einmal betritt.
Doch alle erwartet die eine Nacht und der Weg des Todes, den man nur einmal betritt.
Wir lagen auf
Matratzen auf dem Fußboden. Musik drang aus den Boxen, doch
irgendwie vernahm ich nur den dumpfen Bass, der in meinen Ohren
dröhnte. „Auf...hören!“, rief ich und meine Stimme ging in ein
Kichern über. Die Banane an der Decke starrte mich an und ich begann
mit ihr zu sprechen: „...aber ich will doch Melonen...und Kakao!“
Und wie aus dem Nichts verschwand die Banane mit dem dämlichen
Gesicht in einem Strudel aus grünem Kakao. Kakao, nicht Kaffee. Ich
fand es ziemlich komisch. Mein Mitbewohner, der zu meiner Rechten lag
reichte mir den Joint und ich ließ ihn auf die Matratze fallen.
In dem Moment
ging die Tür auf und eine blonde junge Frau betrat den Raum. Vera
ging auf mich zu und ich warf die Hände vor mein Gesicht. „Nicht
schlagen!“ Ben, mein Mitbewohner, erlag einem Kicheranfall.
„Mein Gott,
seid ihr bekifft!“, hörte ich Vera schimpfen und nahm war, wie sie
den Joint von der angekokelten Matratze entfernte und das Fenster
öffnete.
„Wo ist die
Banane?“, rief Ben und riss die Augen auf.
Auf einmal war
die Musik aus. Und der grüne Kakao an der Decke war verschwunden.
Ich fiel in einen tiefen traumlosen Schlaf.
Als ich erwachte,
brummte mein Kopf. Ich stand auf und stieß mit dem Fuß eine leere
Flasche Rotwein um. Im Zimmer roch es nach Verbranntem und Gras und
durch das offene Fenster wehte kalter Wind. Ich fröstelte und suchte
nach einer Jacke. Ben lag noch immer ausgestreckt auf dem Rücken und
schnarchte. Ein kurzer Blick auf die Wanduhr verriet, dass es später
Nachmittag war. Langsam kamen die Erinnerungen wieder. Das Frühstück
bestehend aus Bier und Zigaretten, der Heiratsantrag eines
Studienkollegen und die zwei anschließenden Joints.
Ich beschloss Ben
schlafen zu lassen und verließ sein Zimmer. In der Küche fand ich
Vera vor, Kaffee trinkend und Zeitung lesend.
„Na? Alle
bunten Lichter in die Flucht geschlagen?“, fragte sie, ohne
aufzusehen. Ich verzichtete auf eine Antwort, setzte mich neben sie
und schenkte mir Kaffee in eine Tasse mit der Aufschrift There's
no life without coffee.
„Or at least
none worth living“, murmelte ich und nahm einen Schluck von der
schwarzen Brühe.
Vera sah mich
über ihre Lesebrille fragend an.
„Es waren
Bananen, Vera, fiese, hässliche Bananen.“
Sie schüttelte
verständnislos den Kopf und legte die Zeitung beiseite. Diese
bestand aus zwei Doppelseiten. Auf einmal schlug sie mit der Hand auf
die Tischplatte und begann zu weinen. Sie weinte nicht leise in sich
hinein, nein, es war ein lautes, hysterisches Heulen. Sie stand auf
und schleuderte ihre Kaffeetasse gegen die Wand. Die Scherben fielen
laut klirrend zu Boden und braune Rinnsale tröpfelten von der weißen
Tapete. „Was machen wir hier eigentlich?“, schrie sie mich an.
„Zeitung lesen und Kaffee trinken?“
Mein Kopf
schmerzte unter ihrem Gezeter und ich ergriff versöhnlich die Hand
meiner Mitbewohnerin. Schluchzend warf sie sich um meinen Hals. Ich streichelte ihren braunen Haarschopf und suchte nach tröstenden
Worten, fand jedoch keine. In diesem Moment fiel der Strom und wir
standen im Dunkeln.
(c) Pia Colada
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