postheadericon Carpe Diem, Baby 2.0 - Part 5


Ich nahm einen Schluck von dem ekelhaften orangen Getränk und sah ihnen nach. Ich warf einen Blick durch die Menschenmenge, auf der Tanzfläche und in der Sitzgruppe und musste feststellen, dass ich nicht viele Leute kannte.
Ich nahm auf dem nächstbesten Couchsessel Platz und wühlte in meiner Tasche. Ich fand mein Handy und stellte fest, dass ich sogar Empfang hatte. Im Nachrichtenordner fand ich eine Nachricht von Sara von vor zwei Stunden.
Bin jetzt schon bei Mäx. Helfe ihm alles vorzubereiten. Hoffe, ihr kommt bald. xxx Sara
Sara und Mäx. Seit ich die beiden vor einem guten Monat bekannt gemacht hatte, lief etwas zwischen ihnen. Und sie war heillos verliebt. Ich hatte das komische Gefühl, dass es nicht auf Gegenseitigkeit beruhte. Mäx war ein Arschloch, wenn es um Frauen ging, ähnlich wie der Bauer. Ich hatte ihm gesagt, dass ich ihm einen seiner Arme brechen würde, wenn er das gleiche mit Saras Herz mache. Anfangs schienen meine Drohungen Wirkung zu zeigen. Seit die Nachricht der bevorstehenden Apokalypse eingegangen war, stand er eigentlich dauerhaft unter Drogeneinfluss und briet alles an Mädchen an, was ihm vor die Augen hüpfte.
Ein Kribbeln fuhr mir durch die Bauchgegend. Der Vodka zeigte seine Wirkung. Plötzlich befiel mich ein Gefühl der Einsamkeit, das mir den Magen zuschnürte. Ich sah die bekannten Gesichter, und die, die ich noch nie gesehen hatte; wie sie tanzten, miteinander redeten oder weggetreten auf der Couch lagen. War etwas anders als sonst? Ich begann an meiner Nagelhaut zu kauen. Dass ich sie an einem Finger eingerissen hatte, bemerkte ich erst, als ich Blut in meinem Mund schmeckte. Mat sollte hier sein. Mat, den ich so vermisste, dass mir meine Innereien schmerzten. Mein Freund Mat, den ich seit Jahren so gern hatte, dass ich für jedes bisschen Zuneigung gekämpft hatte. Der Kerl, der vor einigen Monaten zu seiner Ex-Freundin zurück gekehrt war, weil er glaubte, ihr etwas schuldig zu sein...und ich mich seitdem fühlte, als hätte er mein Herz heraus herausgerissen und mitgenommen. Ich stellte mir vor, wie es jetzt über dem Bett der beiden hing. Gut sichtbar, gleich neben seinen Eiern, die sie ihm offensichtlich schon lange abgeschnitten hatte. Die Vorstellung ließ mich fester an meiner Nagelhaut kauen und vor unterdrückter Wut brannten mir Tränen in den Augen.
Ich spürte, wie die Depressionen zurückkehrten; als würden sie nach einem Sommerurlaub wieder nach Hause kommen und in ihren Koffern die alten Gefühle zurück bringen. Mit einem kleinen Souvenir, nämlich die Tatsache, dass wir alle bald sterben würden, und ich Mat vermutlich nie wieder sehen würde.
Ich leerte mein Nepenthes, alias Glas Wodka, und warf das Handy zurück in die Tasche. Kurz hatte ich mit dem Gedanken gespielt, ihm eine Nachricht zu senden. Stattdessen schluckte ich die orange Brühe hinunter und kramte nach einer Zigarette.
Plötzlich fiel der Strom. Die Musikanlage verstummte und es war stockdunkel. Nur einige Kerzen und glühende Zigaretten erhellten den Raum. Es kümmerte niemanden. Stromausfälle standen mittlerweile an der Stundenordnung. Auch die Gitarrenklänge von der Dachterrasse gingen in Stille über. Stattdessen ertönte der schrille, durchdringende Schrei eines Mädchens. Augenblicklich wurden die Gespräche eingestellt. 

(c) Pia Colada

1 Kommentare:

Let's chase the sun hat gesagt…

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"There was a time when all inspiration came out of words and all precious was written When we lay under trees and wished for the sun to stay" Literatur = „Die Kunst, Außergewöhnliches an gewöhnlichen Menschen zu entdecken und darüber mit gewöhnlichen Worten Außergewöhnliches zu sagen." (Pasternak)
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